• Harare Stadion Panik: Den Horror verdrängen - Delron Buckley war dabei als 13 Fans starben

Sport : Harare Stadion Panik: Den Horror verdrängen - Delron Buckley war dabei als 13 Fans starben

Günther Pohl

Es waren Sekunden zwischen Jubel und tiefem Entsetzen. In der 82. Minute des WM-Qualifikationsspiels zwischen Simbabwe und Südafrika reißt Delron Buckley die Arme hoch. Der junge Stürmer hat vor 60 000 Zuschauern im Nationalstadion von Harare das wohl spielentscheidende 2:0 für Südafrika geschossen. Dann bricht die Katastrophe los. Tumulte im Stadion, Randale der simbabwischen Fans, 13 Zuschauer sterben in der anschließenden Massenpanik, Hunderte bleiben verletzt liegen.

"Ich habe die Bilder immer vor Augen. Es war das Chaos. Ich hatte Angst", sagt Buckley, inzwischen zurückgekehrt zu seinem Arbeitgeber, dem Bundesliga-Aufsteiger VfL Bochum. In diesen Tagen begann dort die Saisonvorbereitung. An den vergangenen Sonntag, an den Moment, als der Horror begann, erinnert sich Buckley so: "Ich bin bei meinem Treffer umgeknickt. Als ich auf dem Rasen lag, traf mich eine Flasche am Ohr. Ich habe dann versucht, schnell auf die Beine zu kommen. Doch plötzlich hagelte es Gegenstände aus allen Richtungen."

Inzwischen erheben simbabwische Oppositionspolitiker schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die mit überhartem Einsatz die Massenpanik erst geschürt haben soll. Buckley hat das Ganze so erlebt: "Die Polizei hat Tränengas in die Zuschauer geschossen. Diese Tränengas-Geschosse kamen postwendend zurück. Wir Spieler haben uns dann auf den Rasen geworfen, um unser Gesicht zu schützen. Gleichzeitig drängten Tausende Zuschauer zu den Ausgängen", sagt Buckley.

Er selbst versuchte, so schnell wie möglich vom völlig vernebelten Rasen zu kommen. "Irgendwie habe ich mich hustend und mit tränenden Augen in die Kabine gerettet, aber der Horror ging weiter. Die simbabwischen Fans haben noch zwei Stunden die Kabine belagert und mit Steinen geworfen. Wir sind dann mit Polizeischutz zum Flughafen und ab nach Hause." Erst im Flugzeug wurde den südafrikanischen Spielern das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusst. "Ein Journalist informierte uns, dass es 13 Tote gegeben hat, darunter zwei Kinder", sagt Buckley.

Das Stadion in der simbabwischen Hauptstadt wurde wegen Sicherheitsmängeln vom Weltfußballverband Fifa inzwischen für internationale Spiele gesperrt. "Diese Entscheidung kommt viel zu spät", meint Delron Buckley. Für den Südafrikaner ist klar: "Sollte es jemals wieder zu einem Länderspiel gegen Simbabwe kommen, werde ich garantiert nicht mitfliegen."

Jetzt versucht Buckley, den Albtraum von Harare zu verarbeiten, um sich auf den Fußball-Alltag in der Bundesliga konzentrieren zu können. "Ich weiß nicht, wie schnell das geht, sagt Buckley, "aber der Vorbereitungsstress hilft sicher, die Sache erst einmal zu verdrängen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben