Harmlose Eisbären : Meister der Mängel

Die Eisbären haben ihre Dominanz eingebüßt – und müssen bis Saisonende auf Pederson verzichten. Dem eigenen Verständnis nach sind die Eisbären eine Ausnahmemannschaft, vor der sich jeder fürchtet. Nur hat im Moment keiner Angst, wenn er auf die Eisbären trifft.

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Fehlt den Eisbären noch einige Zeit: Denis Pederson fällt mit einem Kreuzbandriss ein halbes Jahr aus.
Fehlt den Eisbären noch einige Zeit: Denis Pederson fällt mit einem Kreuzbandriss ein halbes Jahr aus.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

BerlinIrgendwann tauchte er doch noch auf, der Trotz. Fast zwei Stunden lang hatten sich die Eisbären in ihr Schicksal gefügt, das an diesem Sonntag eine satte 1:4-Niederlage gegen den ERC Ingolstadt parat hielt. Erst als das Spiel vorüber war, wehrten sie sich – gegen kritische Stimmen und gegen den Vorwurf der Krise. „Unsere Einstellung stimmt doch“, sagte Stürmer Florian Busch, und überhaupt: „Wir sind die Eisbären Berlin!“ Und die Eisbären lassen sich nicht unterkriegen, hätte man noch hinzufügen können. Am Selbstverständnis des langjährigen Branchenführers im deutschen Eishockey hat sich nichts geändert. Die Berliner sind immer noch überzeugt, dass sie dem Rest der Liga überlegen sind, und sei es, wenn schon nicht mit überragendem Sport, dann auf jeden Fall mit ihrer Attitüde.

Dem eigenen Verständnis nach sind die Eisbären weiterhin eine Ausnahmemannschaft, vor der sich jeder fürchtet. Nur hat im Moment kein Konkurrent so recht Angst, wenn er auf die Eisbären trifft. Warum auch? Von der Dominanz, die das Team noch vor einem Jahr versprühte, ist nicht mehr viel übrig. Gegen Mannschaften wie Ingolstadt, die sie früher regelmäßig schlugen, verlieren die Berliner in dieser Saison genau so regelmäßig (vier Mal in vier Spielen). „Das Überzahlspiel funktioniert nicht“, sagt Busch, und auch sonst funktioniert gerade nicht viel. Die Aktionen der Eisbären wirken tranig und durchschaubar, manchmal gar konzeptlos. Vier Spiele hintereinander, so viele wie nie zuvor in der Amtszeit von Don Jackson, haben die Berliner auf diese Weise verloren.

Wo denn die Seele der Mannschaft geblieben sei, wollte angesichts der jüngsten uninspirierten Darbietung jemand von Jackson wissen. Der Trainer antwortete mit einer Lobpreisung des Denis Pederson, nach dem zwar nicht gefragt worden war, der aber ganz gut taugt, um den Zustand der Eisbären zu beschreiben. Am Freitag hat sich der Angreifer in Straubing einen Riss des hinteren Kreuzbands und des Außenbandes im rechten Knie zugezogen. Pederson fällt mindestens ein halbes Jahr aus – und dürfte den Eisbären vor allem in den Play-offs fehlen, nicht nur wegen seiner Stärke beim Bully, sondern auch wegen seiner Mentalität: Er kämpft auch dann noch, wenn sein Team hoffnungslos zurückliegt.

Jemand wie Pederson mag die Seele des Berliner Spiels personifizieren, aber er ist nur einer von vielen Ausfällen in Jacksons Team. „Uns fehlen ständig gute, erfahrene Spieler, das macht es schwer“, sagt der Trainer. Das Verletzungspech mag einen Teil der Misere erklären, der einzige Grund jedoch ist es nicht. Vielmehr wirken die Eisbären generell verunsichert und schieben die Verantwortung von einem Profi zum nächsten. Wenigstens hat Florian Busch die Berliner mit seinem Treffer am Sonntag vor einer historischen Nicht-Tor-Serie bewahrt, an der allgemeinen Tendenz änderte das allerdings wenig. Die Eisbären taumeln – und das ist „in dieser Phase der Saison gar nicht gut“, wie Busch sagt. In gut zwei Wochen beginnen die Play-offs in der Deutschen Eishockey- Liga. Trotz allein reicht dann nicht.

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