Sport : Harsche Kritik nach Debakel der deutschen Eiskunstläufer

-

Calgary - Mit ihren 16 Jahren hat Weltmeisterin Kimmie Meissner aus den USA gezeigt, was den deutschen Eiskunstläufern fehlt: Spaß, Mut, bedingungsloser Ehrgeiz. „Unsere Läufer sind nicht stressresistent“, sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union (DEU), in Calgary. „Wir laufen meilenweit hinterher, unsere Athleten brennen nicht für ihren Sport“, ergänzte Trainerin Ilona Schindler. „Wir haben viel zu lange nur gefördert und viel zu wenig gefordert“, schimpfte sie nach dem hochklassigen Wettkampf, in dem die von ihr erst seit drei Monaten betreute Annette Dytrt nur Letzte wurde.

„Ich gehe davon aus, dass unsere Zusammenarbeit mit dem heutigen Tag beendet ist“, sagte Schindler, die aus anderen Quellen erfahren musste, dass ihre Schülerin Paarläuferin werden will. „Als ich mit Stefan Lindemann von Olympia wiederkam, musste ich erfahren, dass Annette in der Vorbereitung auf die WM eine Woche mit dem Berliner Norman Jeschke nur Paarlauf trainiert hat“, erzählte sie empört. Daraufhin riet sie der viermaligen Deutschen Meisterin, gar nicht erst nach Kanada zu fliegen.

Doch die 22-jährige Münchnerin wollte es noch einmal allein auf dem Eis probieren. Der Wankelmut der Annette Dytrt, die sich noch nicht endgültig auf ihre Zukunft festlegen wollte und im Saddle-Dome vor 10 000 Zuschauern nur auf dem peinlichen Rang 24 landete, bildete den negativen Abschluss der aus deutscher Sicht enttäuschenden Titelkämpfe. „Ich halte es für unprofessionell, wie Annette sich verhalten hat“, sagte Dönsdorf, der nicht begeistert ist von den Plänen der über Jahre am stärksten geförderten Deutschen. „Vielleicht bilde ich mit Norman ein neues Traumpaar“, deutete Dytrt am Samstag an.

Ganz und gar nicht zufrieden stellend war auch das Abschneiden des Oberstdorfers Silvio Smalun auf Platz 20. Und das Schwierige für den Verband ist, dass es im Hintergrund keine Talente gibt, die den wenigen Spitzenläufern Konkurrenz machen würden. Denn das ist das Erfolgsrezept der Amerikaner und Asiaten, die aus einem schier unendlichen Reservoir an begeisterten Eiskunstläufern schöpfen können. So war Kimmie Meissner bei den US-Meisterschaften nur Zweite, ihr technisches Können mit Kombinationen aus Dreifach-Sprüngen überragte nun die Weltspitze. „Ich werde noch härter trainieren und nächstes Jahr den dreifachen Axel zeigen“, kündigte die Schülerin an.

Der DEU bleibt eine Menge Klärungsbedarf. Zunächst gilt es, mit dem Trio Ingo Steuer und seinen WM-Sechsten Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy eine Zukunftsplanung zu entwerfen. „Mit Aljona und Robin ist in den nächsten Jahren zu rechnen, sie werden sich oben festbeißen“, sagte Dönsdorf. Der Verband will zudem drei neue Paare zusammenstellen, um in dieser Disziplin voranzukommen. Einziger Lichtblick aus deutscher Sicht war der 13. Platz der Dortmunder Eistanz-Geschwister Christina und William Beier, die sich im Vergleich zum Vorjahr um sieben Plätze steigerten. „Da sieht man, was man mit Fleiß leisten kann. Sie sind echte Profis mit einer Top-Einstellung“, lobte Dönsdorf, der das Paar schon 2007 in Tokio unter den besten zehn der Welt sieht. dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar