Sport : Hart, aber herzlich

Thomas Hörster darf bei Bayer Leverkusen die Mannschaft bis zum Saisonende aufstellen

Erik Eggers

Leverkusen. Die Rede des Reiner Calmund fiel schmaler aus als üblich. „Damit ist das Thema Trainer durch“, sagte der Manager Bayer Leverkusens, nachdem er in nur wenigen Sätzen die Situation nach der Entlassung Klaus Toppmöllers umrissen hatte. Und dann verließ er auch noch vorzeitig die Pressekonferenz.

Hauptamtlicher Coach der Lizenzabteilung „bis Saisonende“ ist fortan Thomas Hörster, bisher Trainer der U-21-Mannschaft Leverkusens aus der Regionalliga. Assistieren wird ihm dabei Ralf Minge, bereits unter Toppmöller zweiter Kotrainer. Der bisher erste Kotrainer, Peter Hermann, wird die Regionalliga-Mannschaft übernehmen. Sie vertrauen also im bevorstehenden Abstiegskampf auf die „interne Lösung“, auf Kräfte also, denen die Strukturen und Eigenheiten des Klubs geläufig sind. „Wir haben nie mit einem anderen Trainer gesprochen, weil wir immer der Auffassung waren, dass es Thomas Hörster machen soll“, sagte Calmund. En passant räumte er gleichzeitig ein, dass sich der Klub Otto Rehhagel „als Sportdirektor hätte vorstellen können“. Der aber habe leider abgesagt wegen seiner vertraglichen Verpflichtung als Nationaltrainer in Griechenland. „Wir sind nun weiter auf der Suche nach einem Sportdirektor“, sagt Calmund.

Für Hörster selbst kam die Berufung überraschend, erst Sonntagfrüh um zehn Uhr, sagte er, habe er durch einen Anruf Calmunds davon offiziell erfahren. „Ich habe Ende Januar zum ersten Mal in der Presse davon gelesen und gedacht, das ist ein Ablenkungsmanöver von Reiner Calmund“, erzählte Hörster. Der 46-Jährige gilt unter Fachleuten als Gegenentwurf zu Toppmöller, nämlich als „harter Hund“, der keine Scheu hat vor großen Namen. Er selbst bezeichnete sich am Dienstag als „gradlinig“ und „hart, aber herzlich“. In den letzten Wochen und Monaten hat er vor allem Disziplinlosigkeit in der Mannschaft registriert, „das zog sich ja durch wie ein roter Faden“.

Hörster, der seit 25 Jahren bei Bayer ist, sagte weiter: „Viele waren nicht bereit, ihre Aufgaben zu erledigen“, speziell in der Defensive, und genau dagegen werde er nun vorgehen. „Ich werde rein auf Leistung bauen.“ Als Drohung dürfen das lässige Vertreter wie Zivkovic, Placente oder Berbatow begreifen. Erstes Opfer ist Carsten Ramelow. Auf ihn wird Hörster in der Champions League, bei seinem Debüt auf der Bank von Leverkusen, nicht zurückgreifen.

Das am heutigen Dienstag stattfindende Spiel gegen Newcastle United, in dem es für Leverkusen um die letzte Chance um den Einzug in das Viertelfinale geht, begreift er als gute Gelegenheit, um „Erkenntnisse aus den Leistungen der einzelnen Spieler zu ziehen“. Gleichwohl wird Hörster nicht, wie Calmund das in der jüngsten Vergangenheit angekündigt hatte, Stammkräfte für den Abstiegskampf schonen. „Wenn ich die Möglichkeit habe, werde ich die erste Elf bringen“, sagte er, und im Übrigen sei ihm von der Klubführung „absolut freie Hand“ bei der Aufstellung der Mannschaft gewährleistet worden. Dass er schon gegen Newcastle United einige personelle Veränderungen vornehmen wird, gilt als sicher. Genau das ist ja der Charakter eines Neuanfangs.

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