Sport : Hart am Markt

Der 1. FC Union sucht unbeirrt nach einem neuen Trainer

Karsten Doneck

Berlin. Mirko Votava hat sich am Montag kurzerhand ins Auto gesetzt. Er fuhr von Berlin nach Bremen, zu seiner Frau. Mittwochvormittag war er zum Training in der Wuhlheide zurück. „Ich wollte ein bisschen Abstand gewinnen. Und auch mal den Sieg genießen“, sagt Votava. Solchen Genuss kann der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union nur noch 400 Autobahn-Kilometer von Berlin entfernt erleben. In Köpenick, an seinem Arbeitsplatz, wird ihm die Freude durch Gerüchte über seine Ablösung gründlich verdorben. Selbst der 3:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue am Tag vor seiner Reise stoppte die Trainerdiskussion bei Union nicht.

Angeheizt hatte das Thema unmittelbar nach Spielschluss ausgerechnet Jürgen Schlebrowski. Der Union-Präsident hatte von einem „unverdienten 3:0“ gesprochen, wollte auf die Frage, ob Votava nun bleiben dürfe oder nicht, „keinen Kommentar“ abgeben, was in Fußballerkreisen gleichzusetzen ist mit der Aussage, dass der Verein nach einem neuen Trainer Ausschau hält. Die öffentliche Debatte über Mirko Votava brach heftiger denn je los: Wer wird sein Nachfolger? Der frühere Hertha-Profi Frank Wormuth vielleicht. Oder Hermann Andreev (früher Babelsberg 03). Oder springt gar Aleksandar Ristic als neuer Trainer ein? Ristic bestätigte, er habe Gespräche mit Union geführt.

Mirko Votava konnte überall lesen, wie da im Hintergrund seine Weiterbeschäftigung in Frage gestellt wurde – trotz des Sieges gegen Aue. „Dabei bleibt dann natürlich das Positive auf der Strecke“, sagt der Trainer. „Ich habe doch niemanden erschossen, sondern wir haben doch bloß ein Fußballspiel gewonnen“, sagt er. Irgendwie scheint auch Schlebrowski erkannt zu haben, was er angerichtet hat. Gestern ließ er verbreiten: „Unser Trainer heißt Mirko Votava. Dem großen Druck durch die Berliner Medien haben wir uns nicht gebeugt.“ Dass Schlebrowski den Druck selbst erzeugt hat, kam ihm nicht in den Sinn. Interessant ist vor allem der Schluss seiner Erklärung: „Dass wir wegen der akuten Abstiegsgefahr sehr aufmerksam sind und natürlich auch stets den Markt im Auge behalten, das gebietet schon allein die Verantwortung gegenüber dem Verein.“ Der Präsident stellt sich den Freibrief aus, weiter mit Trainerkandidaten zu verhandeln.

Mirko Votavas Position ist gesichert – bis zum Spiel am Sonntag in Fürth. Verliert Union, wird das Präsidium handeln. Vielleicht empfindet Votava das als Erlösung. „Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch“, sagt er. Harmonie findet er bei Union schon lange nicht mehr. Da muss er schon nach Bremen fahren, zur Ehefrau. Vielleicht kann er ja ab Montag länger als nur knapp zwei Tage dort bleiben.

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