Sport : Hart an der Schmerzgrenze

Schalke 04 kann sich jetzt doch vorstellen, Torwart Manuel Neuer eventuell an den FC Bayern zu verkaufen – das ärgert Trainer Magath. Beim Trainingsauftakt in Gelsenkirchen machte Schalkes neuer Trainer deutlich, wie wenig er von solchen Aussagen hält.

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]

Es war ein Trainingsauftakt, den auch Felix Magath in dieser Form schon lange nicht mehr erlebt hatte. Rund 4000 Menschen waren gekommen, um die ersten Übungen des FC Schalke 04 in der Vorbereitung auf die neue Bundesligasaison mitzuerleben. Nicht mit dabei im Schalker Profikader war Manuel Neuer. Das war insofern keine Überraschung, da der 23-Jährige derzeit zusammen mit seinem Schalker Mitspieler Benedikt Höwedes noch bei der U-21-Europameisterschaft in Schweden aktiv ist. Allerdings hat Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit seinen jüngsten Aussagen dafür gesorgt, dass Neuer auch künftig nicht mehr so häufig in Gelsenkirchen anzutreffen sein könnte.

„Es gibt immer eine kaufmännische Schmerzgrenze. Da liegt die Latte sehr hoch auf Schalke“, sagte Tönnies und meinte damit das wohl immer noch vorhandene Interesse des FC Bayern am Schalker Torhüter. „Natürlich ist ein Verkauf möglich. Denn wenn so eine Schmerzgrenze überschritten ist, also ein Wahnsinnsangebot kommt, bringt das einen ordentlichen Kaufmann dazu, faktisch darüber nachzudenken.“ Die von Tönnies beschriebene Schmerzgrenze dürfte bei 20 Millionen Euro liegen. Schalke neuer Trainer Felix Magath zeigte sich dagegen etwas überrascht, als er mit den Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden konfrontiert wurde. „Ich habe mein klares Bekenntnis zu Manuel abgegeben. Ich bin hierhergekommen, um Erfolg zu haben. Und dafür braucht man Spieler, die Titel holen können“, sagte Magath. „Er ist daher der allerletzte Spieler, den man eventuell abgeben kann.“

Kaum ist der neue Trainer/Manager vier Tage im Amt, wird er gleich mit einer der größten Problematiken der jüngeren Schalker Vergangenheit konfrontiert: Zu viele Mitglieder der Vereinsführung mischen sich in die Aufgabenbereiche ihrer Kollegen ein. Das Resultat daraus waren häufige Disharmonien und eine sportlich erschreckend schwache Saison. Magath hat sich allerdings vorgenommen, diese verbale Durcheinander künftig nicht mehr zu dulden. Daher sei es vielleicht gar nicht schlecht, dass so etwas gleich in der ersten Woche passiere, führte er aus. „Das war ein großes Problem, das hier in der Vergangenheit zu viel geredet und zu wenig gearbeitet wurde“, sagte Magath. „Aber dafür bin ich ja da, um dies zu ändern und alles neu zu strukturieren.“

Es war der konkrete Versuch Magaths, seine vom Klub und vor allem von Clemens Tönnies verliehene Prokura in sportlichen Fragen auszuüben und seine Machtposition zu unterstreichen. Diese Meinungsäußerungen dürften in den kommenden Tagen noch Gesprächsthema zwischen Tönnies und Magath werden. Ohnehin habe der 55-Jährige noch etliche Gespräche in den kommenden Tagen zu führen. „Mir ist aufgefallen, dass die Stimmung in der Mannschaft und bei den Fans sehr verhalten ist. Das müssen wir unbedingt ändern.“

Diese Botschaft schien Magath auch seinen Spielern gleich bei der ersten Ansprache vermittelt zu haben. „Das Gute ist, dass alle bei null anfangen und sich neu beweisen können. Wer nicht mitzieht, wird es sehr schwer haben unter dem Trainer“, sagte Angreifer Kevin Kuranyi.

0 Kommentare

Neuester Kommentar