Sport : Hart aufgeschlagen

Sabine Lisickis Lauf von Wimbledon wird im Halbfinale von Maria Scharapowa gestoppt

Petra Philippsen[London]
Oh no! Sabine Lisicki nach der Niederlage im Halbfinale. Das Wimbledon-Märchen ist für die Berlinerin zu Ende. Foto: AFP
Oh no! Sabine Lisicki nach der Niederlage im Halbfinale. Das Wimbledon-Märchen ist für die Berlinerin zu Ende. Foto: AFPFoto: AFP

Zweimal musste Sabine Lisicki den Ball wieder auffangen. Der Arm zitterte ein wenig, sie hatte zwei Matchbälle gegen sich. Gegen die French-Open-Siegerin Li Na konnte die 21 Jahre alte Berlinerin diese Bedrohung noch abwenden. Doch nun war es ein anderes Spiel, eine andere Gegnerin, die zwar nicht ihren besten Tag hatte, aber noch bedingungsloser diesen Sieg wollte als Lisicki. Maria Scharapowa donnerte den Return mit solcher Wucht zurück, dass Lisickis Antwort ins Aus segeln musste. Die Russin ballte glücklich die Fäuste, sie hatte sich diesen 6:4 und 6:3-Sieg hart erkämpfen müssen. Als erste deutsche Spielerin seit Steffi Graf 1999 war Lisicki ins Halbfinale von Wimbledon eingezogen, nun war ihr beeindruckender Lauf gestoppt worden. „Es ist sehr schade, dass ich meine Chancen nicht nutzen konnte, das war der kleine Unterschied heute“, sagte Lisicki. „Auch wenn ich enttäuscht bin, war es trotzdem ein super Turnier für mich.“ Belohnt wird sie am Montag mit einem Platz unter den Top 30.

„Sabine hat einen der härtesten Aufschläge der Tour“, sagte Scharapowa vor der Partie, „das wird eine echte Herausforderung“. Sie sollte Recht behalten. Lisicki führte die Rekordlisten in Wimbledon dieser Tage mit 200 km/h und 44 geschlagenen Assen souverän an. Und sie legte erneut einen furiosen Start hin. Gleich der erste Punkt der Partie war ein Servicewinner, sie hämmerte Scharapowa selbstbewusst Aufschläge mit 192 km/h ins Feld. Von Nervenzittern war bei Lisicki keine Spur. Scharapowa hingegen begann mit einem Doppelfehler, allein in den ersten vier Spielen legte sie noch drei nach. 13 sollten es insgesamt werden. Lisicki gelang so das frühe Break zum 2:0, die Berlinerin spielte mutig auf.

„In dieser schwierigen Turnierphase ist die Erfahrung enorm wichtig“, sagte Scharapowa und obwohl sie seit 2006 im All England Club nicht mehr so weit vorgedrungen war, hatte sie Lisicki doch das Wissen aus elf weiteren Grand-Slam- Halbfinals voraus. Und so kehrte bei Scharapowa die Sicherheit und vor allem die alte Verbissenheit zurück, für die die Russin von der Konkurrenz so gefürchtet wird. Sie schaffte im ersten Satz das Rebreak zum 3:3 und nahm Lisicki auch noch das Spiel zum 5:4 ab.

„Mein Arm wurde etwas langsamer – der hat ja auch zuletzt viel geleistet“, sagte Lisicki. Zudem hatte sich bei der 21-Jährigen die Fehlerquote merklich erhöht, die aber auch dem hohen Risiko geschuldet war, das Lisicki im Duell mit der Russin einging. „Ich bin in die Partie gegangen, um zu gewinnen und habe alles gegeben“, betonte Lisicki. Dass sie beide in jungen Jahren unter den Fittichen von Trainer-Guru Nick Bollettieri gewesen sind, ist ihrem Spiel deutlich anzumerken. Beide Spielerinnen verfügen über extrem harte und flache Grundschläge, wobei Lisicki aber noch mehr versucht, mit Stoppbällen zu variieren.

Die Russin erhöhte das Tempo. Doch Lisicki kämpfte, wollte unbedingt die Revanche für die glatte Niederlage, die ihr Scharapowa im Frühjahr in Miami beigebracht hatte. Zu Beginn des zweiten Durchgangs hatte Scharapowa das Break geschafft, und sie legte sofort ein zweites hinterher.

Zwar haderte Scharapowa weiterhin mit ihrem Aufschlag, die Wucht ihrer Grundschläge aber war am Ende härter und konstanter als Lisickis. Die Berlinerin erkämpfte sich noch zwei Rebreaks im zweiten Satz, die Niederlage konnte Lisicki aber nicht mehr verhindern.

Für Scharapowa bleibt damit der Traum bestehen, nach ihrem Sieg 2004 als 17-Jährige, erneut zu triumphieren. „Mit 17 Jahren Wimbledon zu gewinnen, ist unglaublich“, erkannte Lisicki an, „ich habe das nicht geschafft, aber das heißt nicht, dass ich nicht auch gut bin“. In diesen Tagen hatte sie das eindrucksvoll bewiesen.

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