Sport : Hart ist aus der Mode

Friedhard Teuffel

versteht Huub Stevens’ Abschied aus Köln Es konnte lange Zeit kein größeres Reifezeugnis für einen Fußballtrainer geben, als ein harter Hund zu sein. Harte Trainer brächten die Spieler wieder zum Rennen, zum Kämpfen, ja zum Siegen. Nur ein harter Trainer schien ein guter Trainer zu sein, und er musste nach allen Richtungen unbarmherzig sein, auch sich selbst gegenüber.

Gegen diese Mode hat jetzt Huub Stevens eine Entscheidung getroffen. Er wird den 1. FC Köln nicht mit in die Bundesliga begleiten, am Saisonende hört er auf. Eine Begründung wie seine liefern Bundesligatrainer der Öffentlichkeit selten: Stevens möchte mehr Zeit mit seiner Frau verbringen. Seine Frau ist schwer krank, und seit ihre beiden Kinder nur noch selten zu Hause sind, geht es ihr noch schlechter. In Zukunft wird nun ihr Mann öfter zu Hause sein.

Vor einigen Jahren hatte Willi Reimann als Trainer beim 1. FC Nürnberg aufgehört, mitten im November, weil seine Frau krebskrank war und kurze Zeit später starb. Auf einmal erhielt Reimann noch eine andere Seite. Bis dahin galt er ausschließlich als Schleifer. Einmal hatte er über seine Spieler gesagt: „Einige müssen ihre Bauchmuskeln trainieren, obwohl sie nicht mal wissen, was das ist. Wenn wir die trainieren, kommen sie am nächsten Tag an und meinen, sie haben was mit dem Blinddarm.“

Vielleicht haben Bundesligatrainer Sorge, ihre Autorität zu verlieren, wenn sie ein menschliches Gesicht zeigen. Dabei könnten sie es ruhig öfter tun, auch in guten Zeiten. Übel wird ihnen das sicher niemand nehmen. Es wird ihnen eher mehr Respekt einbringen.

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