Sport : Hart und herzlich

In einem turbulenten Spiel schlägt Schalke den FC Bayern 2:0

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Auf der Titelseite der Stadionzeitung pflegt der Hauptsponsor den jeweiligen Gegner des FC Schalke 04 mit einem kessen Spruch zu begrüßen. Zum Spiel gegen den Rekordmeister hatten die Werbestrategen besonders forsch formuliert. „Liebe Bayern“, schrieben sie, „ihr wohnt vielleicht näher an den Alpen. Aber wir versetzen heute Berge.“ Beim 2:0 am Samstag haben die Schalker die alpine Herausforderung mit den Mitteln des Fußballs tatsächlich bestanden, auch wenn die „lieben Bayern“ nicht zu heftigem Widerstand fähig waren. Zum Schalker des Tages avancierte Niels Oude Kamphuis. Der Mittelfeldmann holte einen Elfmeter heraus und erzielte das zweite Tor selbst. „Wir haben heute unser bestes Saisonspiel gemacht“, sagte Schalkes Trainer Jupp Heynckes.

Nach dem 3:7 am Mittwoch im Pokal gegen Freiburg hatten sich die Schalker selbst Mut gemacht. Es sei „gut, jetzt gegen die Bayern zu spielen“, hatte Heynckes vor dem Anpfiff gesagt. Und tatsächlich: Vor dem Tor von Oliver Kahn ging es oft turbulent zu – zuerst nach einer Viertelstunde. Da stieß Verteidiger Thomas Linke mit Niels Oude Kamphuis zusammen, und Schiedsrichter Edgar Steinborn erkannte zu Unrecht auf Elfmeter. Er berief sich auf seinen Assistenten, der „sofort gewinkt hat“. Oude Kamphuis war verdächtig früh abgehoben, behauptete aber, unfair behindert worden zu sein. „Er hat sich bei mir eingehakt“, behauptete der Niederländer. Tomasz Hajto ließ sich die Chance zum 1:0 nicht entgehen.

Kurz darauf ging der Kampf Linke gegen Oude Kamphuis in die zweite und letzte Runde; dieses Mal vor dem Tor der Schalker. Linke streckte Oude Kamphuis mit dem Ellenbogen zu Boden, und Steinborn zeigte dem Täter sofort die Rote Karte. Linke wird den Bayern wohl einige Wochen fehlen, vielleicht auch Sebastian Deisler, der sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat und auf jeden Fall am Mittwoch in der Champions League gegen Olympique Lyon ausfällt.

Auch die Schalker zeigten sich nicht zimperlich. Als der sonst unauffällige Stürmerstar Makaay einen Pass von Ballack aufnehmen und Richtung Tor laufen wollte, wusste sich Tomasz Waldoch nur mit einem Foul zu helfen. Da der Schalker Kapitän den Regelverstoß als letzter Mann beging, kam er mit der Gelben Karte glimpflich davon. Mit zehn Mann spielten die Bayern zwar eine Reihe von Ecken heraus, aber keine Torchancen. Die Heimelf ließ sich dagegen trotz Überzahl nicht zu unkontrollierter Offensive hinreißen. Zehn Minuten vor Schluss rundete Oude Kamphuis den Schalker Freudentag ab.

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