Sport : „Harte, ehrliche Arbeit“

Rostocks Manager Beinlich über Hansas Aufstieg

Der Norden ist oben. Hansa hat sich konsolidiert und bei Heimspielen zuletzt mehr als 20 000 Fans mobilisiert. Foto: dpa
Der Norden ist oben. Hansa hat sich konsolidiert und bei Heimspielen zuletzt mehr als 20 000 Fans mobilisiert. Foto: dpaFoto: dpa

Herr Beinlich, haben Sie Hansa Rostocks direkten Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga schon gefeiert?

Nein, nicht wirklich. Nach dem Spiel am Ostersonntag gegen Bayern München II haben wir in der Kabine ein Bier zusammen getrunken. Die Mannschaft hatte ja auf dem Weg nach München während einer Kaffeepause auf einem Rastplatz von dem glücklichen Umstand erfahren. Die Aufstiegsfeier, die sparen wir uns auf: für das letzte Heimspiel der Saison in drei Wochen, das mit knapp 29 000 Zuschauern ausverkauft ist.

Zu den letzten Spielen von Hansa kamen mehr als 20 000 Zuschauer, der Zuschauerschnitt liegt mittlerweile bei 13 000. Wie erklären Sie sich die Begeisterung?

Ich glaube, die Menschen spüren, dass hier wirklich eine Mannschaft auf dem Platz steht. Sie honorieren die harte, ehrliche Arbeit. Hinzu kommt: Hansa Rostock ist ein Aushängeschild für die Region, ein Leuchtturm für das wirtschaftsschwache Land Mecklenburg-Vorpommern.

Zweimal sind Sie bereits mit Rostock aufgestiegen – als Spieler in die Erste Bundesliga 1995 und 2007. Ist dieser Aufstieg in die Zweite Bundesliga mit den beiden ersten Aufstiegen vergleichbar?

Überhaupt nicht. Bei den ersten beiden Aufstiegen war ich Spieler. Da stand ich auf dem Platz und konnte meine Emotionen ausleben. Jetzt, als Sportlicher Leiter, habe ich eine ganz andere Funktion und eine wesentlich größere Verantwortung. Ich freue mich sehr über den Erfolg, aber es ist eine stillere Freude.

Vor einem Jahr befand sich Hansa in der größten Krise seit der Vereinsgründung vor 45 Jahren: Der Klub war abgestiegen und stand vor der Insolvenz. Die Lizenz für die Dritte Liga erhielt der Verein nur dank einer Landesbürgschaft für einen millionenschweren Kredit. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen?

Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass ein Spieler nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich zu uns passt; dass alle Teamspieler sind, einige aber auch das Zeug zum Führungsspieler haben; dass die Altersstruktur stimmt und sich eine Hierarchie herausbilden kann. Nicht zuletzt hatten wir offensichtlich ein glückliches Händchen, was auch daran lag, dass Trainer Peter Vollmann die Ligen eins bis vier sehr gut kennt.

Eigentlich wollte sich der Verein konsolidieren und erst ein Jahr später die Rückkehr in den Profifußball anstreben. Was sind jetzt die nächsten Ziele von Hansa?

Im ersten Jahr geht es nur darum, die Klasse zu halten. Dafür steht uns ein Gesamtetat von voraussichtlich 13 Millionen Euro zur Verfügung. Danach möchten wir uns in der Zweiten Bundesliga etablieren. In drei, vier Jahren haben wir hoffentlich die Chance, um den Aufstieg in die Erste Liga mitzuspielen. Aber wir werden uns auch in Zukunft einschränken müssen. Wie hat unser Finanzvorstand Sigrid Keler gesagt: Die Not-OP ist geglückt, jetzt befinden wir uns zwischen Intensivstation und Reha.

Hansa Rostock hatte sich als einziger Klub aus der ehemaligen DDR dauerhaft in der Ersten Bundesliga etabliert. Ist das Image des Ostklubs noch zeitgemäß?

Ich sehe Rostock nicht als Ostklub. Die Wende ist jetzt mehr als 20 Jahre her. Meine drei Töchter zum Beispiel – die Zwillinge sind 14 Jahre alt, die jüngere Tochter ist acht – kennen die DDR nur aus Erzählungen. Sie können mit Kategorien wie „Ost“ und „West“ nicht mehr viel anfangen.

Das Gespräch führte Kerstin Hebeler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben