Sport : Harte Landung

Die deutschen Wasserspringer Patrick Hausding und Stephan Feck verpassen Bronze nur knapp.

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Goldener Moment. Für Patrick Hausding (im Bild hinten) war der Sieg im Turmspringen an der Seite von Partner Sascha Klein der größte Erfolg in seiner Karriere. Dabei hat der Berliner schon einige große Siege feiern können. Foto: dpa Foto: dpa
Goldener Moment. Für Patrick Hausding (im Bild hinten) war der Sieg im Turmspringen an der Seite von Partner Sascha Klein der...Foto: dpa

Barcelona - Der Strahlemann vom Sonntag kam diesmal schwer geknickt daher. Patrick Hausding stand am Gitterzaun hinter dem Sprungbecken und deutete mit dem rechten Fuß immer wieder Tritte gegen die Metallbarriere an – so als wolle er sich für seinen Fehler im vierten Durchgang selbst bestrafen, als er den dreieinhalbfachen Delfinsalto verpatzte. Das Malheur war in den letzten zwei Sprüngen nicht mehr wettzumachen. Am Ende wurden Hausding und Stephan Feck, sein Partner vom Dreimeterbrett, bei der Schwimm-WM in Barcelona nur Vierte. DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow stöhnte: „Mit einem halbwegs guten Delfinsprung wären wir schon auf dem Bronzeplatz gewesen.“

So aber wurde nichts aus dem zweiten Edelmetall für die deutschen Wasserspringer – nach dem goldenen Paukenschlag von Hausding und Sascha Klein, zwei Tage zuvor beim Synchronwettbewerb vom Turm. „Beim Einspringen hatte ich noch Sonne im Gesicht, im Wettkampf war’s dann schattig“, erklärte Hausding seinen Aussetzer, bekannte dann aber: „Der vierte Sprung war nicht vorzeigbar.“ Dabei hatte es sein Nebenmann Feck genossen, gemeinsam mit dem Weltmeister aufs Brett treten zu dürfen. „Nach dem Gold vom Turm dachte ich mir schon: Das kann jetzt nur gut werden. So eine Rieseneuphorie, da kann man einfach mitschwimmen“, sagte der 23-jährige Leipziger, ehe er mit einem Seitenblick auf seinen Sprungpartner meinte: „Zusammen mit einem Weltmeister anzutreten, das war unheimlich motivierend – zumindest für mich.“

Er wolle sich nicht auf seinem Titel ausruhen, hatte Hausding, der im Piscina Municipal de Montjuïc noch im Einzel vom Dreimeterbrett und vom Turm antritt, nach dem Vorkampf betont. Da lag das deutsche Duo noch auf dem dritten Platz. Der Vielspringer schien auf dem besten Weg, seinem Ruf als Spezialist für mehrfachen Erfolg gerecht zu werden: Bei der EM 2010 in Budapest war es ihm als erstem Springer gelungen, in allen fünf Disziplinen – vom Ein- und Dreimeterbrett, vom Turm sowie in beiden Synchronwettbewerben – eine Medaille zu gewinnen.

Das war das Filetstück in Hausdings Karriere als Solist. Aus sportlicher Sicht am wertvollsten war aber das olympische Synchron-Silber 2008, Seite an Seite mit Sascha Klein. Zumindest bis zum Sonntagabend: „Ich würde sogar sagen, dass dieser Sieg unsere Silbermedaille von Peking übertrifft – weil wir alle geschlagen haben, vor allem die Chinesen“, hatte Klein nach dem Coup gesagt, der auch Lutz Buschkow einen ungeahnten Glücksmoment bescherte. Denn der schwärmt schon seit langem von den – zum Teil durchaus fragwürdigen – Trainingsbedingungen der chinesischen Springer und von deren grenzenloser Leistungsbereitschaft. Und nun trat die chinesische Cheftrainerin leibhaftig an Buschkow heran, gratulierte ihm zum Triumph von Hausding und Klein – und das Herz des DSV-Chefs schlug etwas schneller. Von solchen Augenblicken zehre man ein ganzes Trainerleben lang, behauptete Buschkow danach. Nun aber schlug das Gefühlspendel in die andere Richtung aus. Abgesehen von der deutschen Backpfeife vom Wochenende haben die Chinesen in Barcelona jedes Springen gewonnen. Und die Aussagen im DSV-Lager sind wieder vorsichtiger geworden. „Für mich war das ein unvergesslicher und historischer Tag!“, jubelte Hausding nach dem Turm-Gold noch auf seiner Facebook-Seite, nun sprach DSV-Chef Buschkow schlicht von einer „Enttäuschung“.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass es in speziellen Momenten auch anders ausgehen kann. „Es gibt inzwischen schon die eine oder andere Nation, die die Chinesen in die Knie zwingen kann“, sagt Turmspezialist Klein und fügt noch hinzu: „Das tut unserer ganzen Sportart gut.“ Andreas Morbach

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