Sport : Harte Worte

Boxen zwischen Haue, Hoffnung und Heroen

Michael Rosentritt

Boxen tut nicht weh – so lange man davon liest. Wolf Wondratscheks Buch „Im Dickicht der Fäuste“ handelt nicht über Boxen, sondern vom Boxen. Ein kleiner Unterschied, ein feines Werk.

Ein Schriftsteller, ein Dichter, schreibt also vom Boxen. Eine Sportart, die auf den ersten Blick so gar nicht mit Intellektuellen in Verbindung gebracht wird. „Sensiblen Intellektuellen“, schreibt Wondratschek, „scheint die Zivilisation erst vollkommen, wenn dieser Sport nicht mehr existiert.“ Ist Kunst nicht das Gegenteil von der rohen Gewalt im Ring?

Der Autor wagt eine Analyse. Seine Sprache ist wie ein guter Jab – locker und schnell, hart und zielsicher. Viele Literaten waren und sind box-affin: London, Brecht, Simenon, Hemingway, Nabokow zum Beispiel. Einige haben selbst geboxt.

Für Wondratschek ist Boxen Leben, blutig, schön, desaströs, triumphal, absurd und doch reell. Seine Begeisterung für diesen Sport zieht sich durch die im Werk gesammelten Reportagen, Stories, Gedichte, Artikel und Interviews.

Das alles ist keine Show, schon gar kein Geschwätz, sondern kenntnisreich, raffiniert, detailtreu, einfühlsam. Kurz: Ein Buch besser als die meisten Kämpfe unserer Zeit – gut fürs Boxen und gut für die Literatur.

— Wolf Wondratschek: Im Dickicht der Fäuste. Vom Boxen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München. 217 Seiten, 12,50 Euro.

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