Sport : Hase und Igel

Mit dem SC Freiburg kann der 1. FC Union nicht mithalten

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Von Christoph Kieslich

Freiburg. Die 800 Kilometer zwischen Deutschlands äußerstem Südwesten und der Hauptstadt zu bewältigen, ist mitunter strapaziös. Am Sonntag aber hat der 1. FC Union den Spätnachmittag im Freiburger Dreisamstadion ohne Abreisehektik ausklingen lassen, weil es einen Flug zurück zu dieser Tageszeit nicht mehr gab. Und so ging Steffen Menze allerhand durch den Kopf, als er lange nach Spielende noch am Mittelkreis stand. „Die sind einfach zu gut für die Zweite Liga“, sinnierte der Union-Kapitän über den neuen Tabellenführer SC Freiburg, „und wahrscheinlich ist es dann der normale Lauf, dass man vier Dinger kriegt.“ Menze reckte und streckte sich, der Hexenschuss, der ihn zu einer 14-tägigen Pause gezwungen hatte, bereitet ihm zwar keine Beschwerden mehr, „aber einfach wegwischen kann man so was auch nicht. Mir fehlte noch etwas Kraft“.

Ohne Umschweife nahm Steffen Menze das dritte Gegentor auf seine Kappe und erklärte gleichzeitig das taktische Experiment mit ihm in defensiver Mittelfeldrolle vor der Abwehr als mehr oder weniger gescheitert. „Toll war das nicht.“ Dabei hatte Georgi Wassilew die doppelte Sicherung mit Michael Molata als Libero und Menze als so genannter Staubsauger davor noch verteidigt: „Das ist ja nicht neu für Steffen, das hat er lange Zeit gespielt.“ Immerhin räumte der Union-Trainer ein, dass der 33-jährige Routinier möglicherweise noch nicht „hundertprozentig bereit“ gewesen sei „für ein Spiel wie das gegen Freiburg“. Dieses Freiburg schaffte es gegen den 1. FC Union, jenen Fußball, den sich Trainer Volker Finke so vorstellt, beinahe idealtypisch durchzusetzen. Aus Steffen Menzes Perspektive sah das so aus: „Die haben schon vorne dicht gemacht, waren im Mittelfeld fast immer in Überzahl mit der Folge, dass wir gar nicht erst in die Zweikämpfe gekommen sind.“ Wie im Hase- und-Igel-Spiel kam sich Menze vor: „Man versucht, einen zu decken, dann kommt einer mit dem Ball auf dich zu, man geht drauf und schon steht man zwischen zwei Leuten – da ist man halt auf verlorenem Posten.“

Auch wenn die Freiburger versuchten, den rauschenden Nachmittag richtig einzuordnen (Volker Finke: „Man sollte weder über- noch untertreiben“), so kam dieser Auftritt dem schon sehr nahe, was der Trainer einst schwärmerisch umschrieben hat: „Wenn unser Spiel funktioniert, dann ist das wie ein Tanz.“ Und Union gab bei diesem Vergnügen eher einen ungelenken Tanzbären ab.

So schmerzlich die deutliche Unterlegenheit auch gewesen sein mag, für Steffen Menze hatte sie auch einen erheblichen Erkenntniswert. Der SC Freiburg stelle eine Klasse für sich in dieser Liga dar, und seine Mannschaft habe nicht ihr wahres Gesicht gezeigt, weder in der Vorwärtsbewegung („Der Torwart macht einen Abschlag, und vorne ist keiner“) noch im Abwehrverhalten („Wenn man defensiver spielen will als wir, dann müssen alle Spieler da mitmachen“).

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