Hassan Moustafa : Allianz für einen Alleinherrscher

Trotz harscher Kritik scheint die Wiederwahl des Handball-Weltpräsidenten Moustafa sicher.

Erik Eggers[Kairo]
Moustafa
An Hassan Moustafa prallen bisher alle Vorwürfe ab. -Foto: dpa

Große Handballer stehen hinter ihm. Nikola Karabatic, Jackson Richardson, Christian Schwarzer – diese Profis mit Weltruf unterstützen den Luxemburger Jean Kaiser bei seiner Kandidatur als Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF). „Sauberer Handball“, unter diesem Slogan steht die Wahlkampagne Kaisers für den dreitägigen 32. IHF-Kongress, der am Donnerstag in Kairo begonnen hat. Mit dieser Parole distanziert sich Kaiser bewusst von den Methoden seines übermächtig scheinenden Gegenkandidaten, dem aktuellen Präsidenten Hassan Moustafa. Vor diesem Hintergrund dürfte in dem noblen Fünf-Sterne-Hotel, das die Repräsentanten der 159 IHF-Mitgliedsländer beherbergt, eine sportpolitische Schlammschlacht bevorstehen.

Kaiser macht keinen Hehl daraus, dass die vielen Skandale Moustafas, die den in Basel ansässigen Weltverband ziemlich in Verruf gebracht haben, ihn erst zur Kandidatur bewegt haben. Anlass sei Moustafas Beschluss aus dem Jahr 2008 gewesen, die Anti-Doping-Einheit der IHF aufzulösen. Mit diesem eigenmächtigen Beschluss habe der IHF-Präsident „den Handballsport sogar der Gefahr ausgesetzt, ab 2016 nicht mehr olympisch zu sein“, heißt es in Jean Kaisers Wahlprogramm. Kaiser kritisiert zudem Moustafas feststehende persönliche Verstrickung in die Manipulation der asiatischen Olympia-Qualifikation 2007 in ToyotaCity, die, einmalig in der olympischen Geschichte, wiederholt werden musste. Und auch das fragwürdige Finanzgebaren des 64 Jahre alten Ägypters steht im Fokus. Die Marketing AG, die wirtschaftliche Tochter der IHF, solle wie ein Unternehmen funktionieren und nicht mehr wie eine Einmann-Veranstaltung des Präsidenten, fordert Kaiser.

Unterstützung erhält Kaiser nicht nur von den Spielern, deren Einfluss Kaiser stark vergrößern will. Auch Christer Ahl, der scheidende Schiedsrichterchef aus den USA, beschuldigt Moustafa der Dokumentenfälschung. Hintergrund ist die fragwürdige Praxis Moustafas, für seine Flugspesen keinerlei Belege beizubringen. Zwischen 2001 und 2007 handelte es sich um rund 600 000 Schweizer Franken, wie ein IHF-Revisor im April 2008 bestätigte. Moustafa hatte sich damals verteidigt, er müsse keine Belege beibringen, obwohl Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die IHF-Kassenführung bemängelt hatten. Das sei eine Sache des Vertrauens und habe ihm der IHF-Rat genehmigt, erklärte Moustafa im April 2008. Laut Ahl ist das eine Lüge. Bei der Sitzung des IHF-Rates im Dezember 2007 in Paris hat sich Moustafa laut Ahl für die bisherige Praxis entschuldigt und eine korrekte Buchhaltung versprochen. Das dokumentiere ein Tonband. Im Protokoll dieser Sitzung aber stand zur Überraschung vieler Leser das exakte Gegenteil.

Zu den aktuellen Brennpunkten des Welthandballs zählt zudem das Schiedsrichterwesen. Sollte tatsächlich der Iraner Dawud Tawakoli zum ranghöchsten Schiedsrichterfunktionär aufsteigen, wäre dies „eine Katastrophe“. So drückt es Reiner Witte aus, der Präsident der deutschen Handball-Bundesliga (HBL). Schließlich gilt Tawakoli als Personifikation der vielen Korruptionsfälle im asiatischen Handball, die dort seit einem Jahrzehnt üblich sind: Der 41-Jährige fungiert im Asiatischen Handballverband (AHF) als Schiedsrichterchef. Sollte Tawakoli die Wahl gewinnen, befürchtet Ahl auch für die kommenden Weltmeisterschaften Spielmanipulationen.

Trotz aller massiven Vorwürfe, welche das Ansehen der gesamten Sportart beschädigen: Moustafa gibt sich demonstrativ selbstbewusst. Der seit 2000 amtierende Ägypter hat in den letzten Monaten alle Kontinente bereist und ist sich seiner Wiederwahl sicher. Er soll eine Allianz geschmiedet haben, die unschlagbar scheint: Angeblich sollen die drei Kontinente Asien, Afrika und Panamerika geschlossen hinter ihm stehen, was eine klare Mehrheit für ihn und seine Kandidaten für die Kommissionen ergeben würde. Sein Schlachtplan, den Wahlkongress nach 2004 (Hurghada) erneut in Ägypten stattfinden zu lassen, ist bereits aufgegangen. Wie es aussieht, wird Moustafa auf ganzer Front siegen in Kairo. Ob die Sportart gewinnt, bleibt aber fraglich.

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