Hassenswerteste Sportarten (8) : Radball

Seit im 19. Jahrhundert ein Köter in ein Fahrrad flitzte, gibt es auch auf Drahteseln Zweikämpfe um den Ball. Zwillinge sind dabei besonders erfolgreich.

Dirk Gieselmann[11fre],e

Ein normaler Mensch fährt mit dem Fahrrad zum Sportplatz, steigt ab und spielt dann Fußball. Die Radballer aber lassen das Absteigen bleiben und bolzen mit der Felge. Sie beziehen sich dabei auf eine niedliche Legende: Am Ende des 19. Jahrhunderts soll dem damals bekannten Kunstradfahrer Nicholas Kaufmann ein kleiner Hund vors Rad gelaufen sein. Um sich den Sturz und dem Tier eine Verletzung zu ersparen, beförderte er ihn sanft mit dem Vorderrad zur Seite. Daraus entstand die Idee des Radballs. Niedlich, wie gesagt – aber die Idee wird dadurch nicht weniger lächerlich. Sie hätte höchstens einmal bei „Wetten, dass...?“ in die Tat umgesetzt werden dürfen und dann nie wieder. Zu unästhetisch ist das ruckartige Zerren am Lenker beim Versuch, den Ball zu schießen, zu kompromittierend der Anblick von Drahteseln im Zweikampf.

Darüber hinaus mutet es grotesk und zugleich debil an, dass diese Sportart seit je her von Brüderpaaren dominiert wird: Zunächst wurden die Tschechen Jan und Jindrich Pospisil dreizehnmal in Serie Weltmeister. Es folgten die Deutschen Thomas und Andreas Steinmeier, Jürgen und Werner King sowie Mike und Steve Pfaffenberger. Das legt den schlimmen Verdacht nahe, dass auch die polnischen Polit-Clowns Lech und Jaroslaw Kaczynski heimlich Radball spielen. Und das will nun wirklich niemand mit ansehen.

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