Sport : Hat sein Team den Rauswurf McCourts eingefädelt?

Claus Vetter

Am Tage danach war die Katerstimmung beim unfreiwilligen Hauptdarsteller groß. Hals über Kopf war Dale McCourt am Sonntagmorgen von seinem Arbeitgeber, den Berlin Capitals, beurlaubt worden. Das Zustandekommen der Entscheidung konnte der kanadische Eishockey-Lehrer auch 24 Stunden später nicht nachvollziehen. "Abseits der geschäftlichen Dinge haben sie mir immer noch keine Erklärung für meinen Rauswurf gegeben", erzählt McCourt.

Am Sonntagnachmittag, beim Spiel seiner ehemaligen Mannschaft gegen Leksand, war McCourt in der Jafféstraße zugegen. "Ich wollte mich der Situation stellen. Außerdem habe ich nach Anworten gesucht." Vergebens, denn das, was die Vereinsverantwortlichen der Capitals zum Besten gaben, war nicht sehr hilfreich. Vielmehr wurde munter die Mottenkiste der Stereotype geplündert. "Wir treten hier zum Wohle des Vereins an", sagte Manager Roger Wittmann, "natürlich haben wir es uns mit unserer Entscheidung nicht leicht gemacht. Aber wenn keine Basis mehr da ist, musst du Entscheidungen treffen". Es folgten hehre Versprechungen. "Wir werden jetzt von der Mannschaft ein anderes Gesicht sehen", sagte Wittmann.

Bis Anfang letzter Woche schien die "Basis" noch da zu sein, so sieht es jedenfalls McCourt: "Offensichtlich hat Wittmann seine Meinung gegenüber meiner Person blitzartig geändert. Das läßt mich glauben, dass andere bei der Entscheidung mitgeholfen haben. Vielleicht waren da neben dem Aufsichtsrat auch ein paar Spieler dabei, aber das sind alles Spekulationen".

In der jüngeren Vergangenheit hat es im Eishockey-Oberhaus nur einmal den Fall gegeben, dass Spieler in Eigenregie für die Demission eines Trainers gesorgt haben. Das war 1993 beim damaligen Bundesligisten EHC Freiburg. Damals wurde Ladislav Olejnik von seinem Team kurzerhand der Zutritt zum Mannschaftsbus verwehrt. Kapitän des EHC Freiburg war übrigens Pavel Gross, inzwischen Spielführer der Berlin Capitals. Die Freiburger erzielten nach dem Rauswurf ihres Coaches ihren höchsten Saisonsieg: Mit 6:1 gewannen die Breisgauer beim Capitals-Vorgänger Preussen.

Wenige Stunden nach der Entlassung McCourts bezwangen auch die Capitals am Sonntag das schwedische Spitzenteam Leksands IF mit 3:0. Das imposanteste Spielergebnis der Vorbereitung ist für den Ex-Trainer allerdings ein Muster ohne Wert. "Wenn ein Trainer gefeuert wird", sagt McCourt, "dann sind die Emotionen bei den Spielern natürlich oben. Aber das reicht für drei Spiele, dann ist die alte Situation wieder da".

Das wird sich zeigen. Der über Nacht vom Co- zum Cheftrainer beförderte Michael Komma, ist um sein Amt sicher nicht zu beneiden. Drei Tage bleiben noch, dann schlägt mit dem Saisonauftakt gegen die München Barons für die Capitals die Stunde der Wahrheit. Bis dahin will Komma alles geregelt haben, was seine Person betrifft. "Ich gehe davon aus, dass ich die Saison als Cheftrainer bis zum Ende bestreiten werde", sagt der neue Trainer, "aber da sind noch viele Sachen zu klären". So zum Beispiel die Änderung des Vertrages mit entsprechender Aufbesserung des Salärs. Ein teurer Spaß für die Berliner, denn McCourt will sich für seinen bis Saisonende laufenden Vertrag nicht mit einem Händedruck abspeisen lassen. "Am Donnerstag will mich der Aufsichtsratsprecher Jochen Börner anrufen, dann sehen wird weiter", sagt McCourt.

Bleibt die Frage, wie groß der Image-Schaden für die Capitals ist. Der in den Sommermonaten aufgebaute positive Ruf hat nach der Panikaktion vom Sonntag Kratzer bekommen. Beim Großteil der Fans hat der Rauswurf von McCourt jedenfalls für Kopfschütteln gesorgt.

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