Sport : Hatten Albas Basketballer wirklich nur einen schlechten Tag erwischt?

Sebastian Arlt

In der Nach-Spielzeit verfehlte dann auch noch Svetislav Pesic das Ziel. "Ich beglückwünsche Olympiakos . . .", hob der Trainer von Alba Berlin in der Pressekonferenz nach der 54:73 (23:36)-Niederlage seiner Mannschaft gegen Panathinaikos Athen an. Ungläubige Mienen bei den Offiziellen von Panathinaikos - dann lachten aber doch alle über Pesics Irrtum. Olympiakos Piräus, Panathinaikos Athen - für die Basketballer von Alba Berlin liegt der Unterschied darin, dass sie gegen Olympiakos in der Vergangenheit schon zwei Mal in der Europaliga gewonnen haben. Gegen den anderen großen griechischen Klub, eben Panathinaikos, blieb ein Erfolg am Mittwochabend in der Schmeling-Halle jedoch nur Wunschdenken. So wie Pesic knapp danebenlag, verpassten auch die Würfe der Berliner den Korb. Nein, meinte Center Geert Hammink, er könne sich nicht daran erinnern, dass in eigener Halle der Korb schon einmal so unerreichbar schien wie gegen den 21fachen Griechischen Meister.

"Wenn man gegen eine der ganz großen europäischen Mannschaften gewinnen will, muss man gut treffen, sonst hat man keine Chance", sagte Pesic. Und da nutzte es Alba auch nichts, dass die Abwehrarbeit - im Gegensatz zur Offensive - gut war. 73 Punkte für Panathinaikos, wenn man obendrein bedenkt, dass in den letzten vier Minuten die Berliner Gegenwehr fast völlig erlahmte, zeugen von einer aggressiven Defense. Aber nur 54 Zähler für Alba . . . "Man wirft und wirft - und je weniger getroffen wird, desto unruhiger wird man", meinte Stephan Baeck. Die Nervosität steigt, das Selbstbewusstsein leidet. Und dem Gegner hilft dies alles, um eine eigene Schwächeperiode zu überstehen.

"Wenn die Berliner zu Beginn der zweiten Hälfte besser geworfen hätten, vielleicht wäre es noch einmal richtig eng geworden", sagte Michael Koch, der ehemalige Leverkusener in Diensten der Griechen. Wie schon zu seinen Zeiten bei Bayer "quälte" er die Berliner mit erfolgreichen Drei-Punkte-Würfen zur rechten Zeit. Nach drei Minuten der zweiten Hälfte hatte Alba den Rückstand auf sechs Punkte (30:36) verkürzt, Panathinaikos wirkte zwar etwas durcheinander, doch bei den Berlinern folgten nun wieder Fehlwürfe en masse. "Da war unsere Chance", sagte Wendell Alexis. Chance gehabt, Chance durch eigenes Unvermögen verpasst. Insgesamt lag die Wurfquote der Berliner bei 34 Prozent, die der Griechen dagegen bei 51 Prozent.

"Ich sehe da überhaupt keine Katastrophe", meinte Pesic. In fünf Spielen in der Europaliga haben die Berliner bisher nur ein Mal (gegen Kaunas) gewonnen. Pesic: "Dass wir in einer sehr schweren Gruppe sind, wussten wir schon vorher." Das Ziel, Erreichen der Play-offs, sieht der Trainer allerdings noch nicht in weite Ferne gerückt. Noch habe man elf weitere Spiele. Lächelnd hatte Koch einen Trost parat: "Die Berliner sind nicht so schlecht, wie sie heute gespielt haben." Die Europaliga sei "nicht zu stark für uns, wir hatten nur einen schlechten Tag", sagte Berlins Center Patrick Femerling.

Hatten die Berliner wirklich nur einen schlechten Tag erwischt? Teilweise waren die Ergebnisse der Wurfversuche erschütternd: So traf Ademola Okulaja bei neun Versuchen ein Mal, Geert Hammink bei sechs Würfen auch nur ein Mal. "Wir hatten nicht die Ruhe, um von außen zu treffen", lautete ein Erklärungsversuch von Pesic. Was natürlich auch für die Abwehr des griechischen All-Star-Teams spricht. Oft schienen die Berliner schier entgeistert zu sein, wie schwer sich die Griechen ausspielen ließen. Die Erkenntnis: Was in der Bundesliga locker klappt, fällt in der Europaliga doppelt schwer. Egal, ob der Gegner nun Panathinaikos oder Olympiakos heißt.

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