Sport : Haue für Huck

Der Boxer bleibt Champion, Arslan war aber besser.

Bertram Job
Handgemenge. Huck (l.) konnte die kurzen Haken Arslans kaum verhindern. Foto: dapd
Handgemenge. Huck (l.) konnte die kurzen Haken Arslans kaum verhindern. Foto: dapdFoto: dapd

Halle/Westfalen - In der 13. Runde, wenn sie mit Worten fechten, gab Marco Huck noch mal alles. Mitternacht war längst vorüber, als der 27-jährige Boxprofi von einem Ringduell schwärmte, das er soeben mit knapper Not überstanden hatte. Solch einen Kampf könne sich jeder Zuschauer nur wünschen, fand der gezeichnete Cruisergewichtler, um sich dann lobend auf seinen Widersacher zu stürzen. Kein anderer Titelträger im zweithöchsten Limit würde Firat Arslan eine WM-Chance einräumen, so wie er das eben getan hatte. Was einmal mehr unterstreiche, „dass ich ’n Kämpfer bin und keinem aus dem Weg gehe“.

Es gibt allerdings Tage, wo sich nichts mehr zurechtrücken lässt. So wie der burschikose Faustkämpfer gerade im Ring eines Tennisstadions im westfälischen Halle mit seinen Attacken häufig zu kurz kam, so wenig kam er später gegen den bitteren Beigeschmack an, den das offizielle Urteil hinterließ. Die drei Juroren der World Boxing Organisation (WBO) hatten Huck am Ende von zwölf Runden zwar einstimmig vorn (zwei Mal 115:113, 117:111). Unter den 7000 Zeugen der Veranstaltung herrschte dagegen weitgehend Verwunderung bis gellende Enttäuschung über das bizarre Votum.

Eine Werbung für den oft angezweifelten Sport: So hatte sich der bunte Abend im Wohnzimmer des Titelverteidigers bis zur Urteilsverkündung angefühlt. Dann wurde jedoch wieder eine Warnung daraus, die so ziemlich alle Vorbehalte im Breitwandformat bestätigt. Die Überlegenheit des 42-jährigen Arslan, diesem notorischen Außenseiter aus dem Südschwäbischen, war allzu deutlich, so dass sich selbst viele Anhänger von „Käpt’n Huck“ nicht über den Sieg ihres designierten Helden freuen mochten.

Schon in den ersten Runden seiner 10. Titelverteidigung ließ sich Huck von seinem in Rechtsauslage boxenden Herausforderer durch Serien kurzer Haken eindecken. Verblüfft bis mental überfordert, begab er sich notgedrungen in den Rückwärtsgang, wo bekanntlich nur exzellente Techniker, aber nicht er noch wirkungsvoll sein können. Und wenn er doch mal Gelegenheit für ein paar seiner gefürchteten, harten Hände fand, verpufften sie oft an der kompakten Doppeldeckung des unbeeindruckten Gegners. Selbst in den hohen Runden sah das manchmal so aus, als sei nicht Arslan, sondern Huck der Berufsboxer mit den 42 Jahren auf dem Buckel.

In der Summe war er also nicht mal besonders knapp, dieser Kampf, den Huck nach der Vorstellung seines Trainers Ulli Wegner wohl entschieden anders angehen sollte. Das gab der 70-jährige Boxlehrer mit dem grantigen Timbre nachher jedenfalls indirekt zu. Er habe „geglaubt, dass Marco das taktisch besser umsetzt“, räumte Wegner hinterher ein. Immerhin hatte sein Schützling mit mehreren Übungspartnern gesparrt, die den einschlägig bekannten Stil des Gegners perfekt kopierten. Darum wirkte es zumindest seltsam, als sich Huck auch zur Nacht noch nicht über die Energieleistung dieser „Dampfwalze“ einkriegen mochte, die ihn da so unter Druck gesetzt hatte.

Waren die Gedanken vielleicht doch schon bei den Gebrüdern Klitschko? Unter der Woche hatten Huck und seine Promoter wieder mal mit einem sogenannten „Megafight“ gegen die ukrainischen Weltmeister im Schwergewicht geflirtet – und damit ungewollt die Brisanz des WM-Termins in Halle infrage gestellt. „Mega“ aber war an diesem Samstag nur Arslan, der „vielleicht den besten Kampf meiner Laufbahn“ gezeigt hatte, wie ihm selbst nachher schwante. „Dafür hätte man ihn belohnen müssen“, fand sein Trainer Dieter Wittmann stellvertretend fürs ganze Team, das Arslan in enger Verbundenheit betreut. Stattdessen reiht sich der Spätberufene in eine Schlange schlecht behandelter Herausforderer, die von Denis Lebedew (Punktniederlage in 2010) bis Ola Afolabi (Unentschieden in 2012) reicht. Genug Arbeit für Huck, bevor die ganz schweren Jungs ein Thema werden. Bertram Job

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