• "Hauen und Stechen" erwartet - Beim Turnier "Weißer Bär" geht es auch um die Olympia-Qualifikation

Sport : "Hauen und Stechen" erwartet - Beim Turnier "Weißer Bär" geht es auch um die Olympia-Qualifikation

Julia Möhn

"Der Coubertin würde sich im Grabe umdrehen", sagt Dagobert Remus. Pierre de Coubertin, Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, würde sich - so vermutet Remus - schrecklich über das Qualifikationsverfahren der Fechter für die Olmpischen Spiele in Sydney aufregen. Und den Turnierdirektor des Fechtturniers "Weißer Bär von Berlin" hätte er dabei auf jeden Fall auf seiner Seite. In dieser Funktion versuchte Remus für die 41. Austragung des Turniers am Sonnabend und Sonntag Degenfechter der Weltspitze nach Berlin zu holen - und scheiterte dabei manchmal an den Auswirkungen der frühen Olympia-Qualifikation. "Für Nationen, die es bei der Weltmeisterschaft in Seoul nicht geschafft haben, sich für Sydney zu qualifizieren, ist jetzt einfach schon Ferienzeit. Die sind nicht mehr zu motivieren", sagt er. Andere, wie etwa der bislang regelmäßige Teilnehmer Ungarn, versuchen in einer Parforcejagd über verschiedene Weltcupturniere, noch einen der vorderen Weltranglistenplätze zu erreichen - auch die berechtigen zum Olympiastart. Und mit solchen Weltranglisten-Punkten kann das europäische Ranglistenturnier "Weißer Bär" des Fecht-Clubs Grunewald nicht werben. So reisen die Ungarn lieber durch Südamerika und starten am Wochenende in Rio statt in Berlin.

Für das Turnier haben nur vier Teilnehmer aus den Top Twenty der Weltrangliste gemeldet, darunter auch der Führende, der Russe Pawel Kolobkow. "Es wäre keine Überraschung, wenn er gewinnen würde", sagt Remus. Die anderen drei, Marc-Konstantin Steifensand (Heidenheim), Jörg Fiedler (Tauberbischofsheim) und Fabian Schmidt (Heidenheim) sind die Nummern zwei bis vier in der deutschen Rangliste. Fiedler gewann letzte Woche das Weltcup-Turnier in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota.

"Auf diesem Weg profitieren wir wieder von den Olympischen Spielen", erklärt Remus. Denn neben dem überlegenen Weltmeister Arnd Schmitt von Bayer Leverkusen sind noch zwei Degen-Plätze für die deutsche Olympia-Mannschaft zu vergeben. Ausgewählt wird am 1. Mai. "Das wird ein Hauen und Stechen", sagt der Turnierdirektor erfreut. In der deutschen Rangliste trennen den Viertplatzierten Schmidt vom Zweitplatzierten Fiedler nur sieben Punkte.

Die Runde der letzten 32 Sportler am Sonntag ist das Ziel der Berliner Fechter. Im letzten Jahr erreichten dies etwa Kim Petrick vom veranstaltenden Verein FC Grunewald, Thomas Pönisch vom SC Berlin und Tibor von Müller vom Steglitzer Fechtclub. Berlin, nach Tauberbischofsheim, Heidenheim und Bonn vierter Bundesstützpunkt, stellt 36 Teilnehmer. Insgesamt starten am Wochenende 264 Fechter aus 24 Nationen. Das Turnier beginnt am Sonnabend um neun Uhr im Horst-Körber-Zentrum und geht am Sonntag um elf Uhr mit den letzten 32 Teilnehmern weiter. Ab 14 Uhr wird die Runde der letzten vier in der Mercedes-Benz-Niederlassung an der Holzhauserstraße ausgetragen. Für den ersten Platz werden 2500 Mark vergeben. Das Turnier ist durch eine Ausfallbürgschaft des Senats über 50 000 Mark gesichert.

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