Sport : Hauptsache drin

Christian Hönicke

Aus gegebenem Anlass eine kurze Begriffsdefinition: pervers = abartig, widernatürlich, verderbt. Glaubt man dem FC Chelsea, ist William Gallas pervers. Wie sonst soll man einen Fußballer nennen, der seiner Bestimmung entgegentreten und Tore gegen das eigene Team schießen will? Gallas hat sich mit dieser Drohung von seinem Verein freigepresst, behauptet Chelsea. Der französische Nationalspieler bestreitet dies, doch er hätte ein Motiv: Durch die vielen Neuverpflichtungen ist für Gallas kein Platz mehr in Chelseas Mannschaft. Vermutlich wollte er sich mit Eigentoren gegen die Beschäftigungslosigkeit wehren.

Die Sitten sind rauer geworden im internationalen Fußball. Der Fall Gallas ist nur der skurrilste Beitrag zu einem unverkennbaren Trend. Auch in der Bundesliga häufen sich unverhohlene Unlustverkündungen von Fußballern, die keinen Fußball mehr spielen wollen, um ihre Freigabe zu erzwingen – der momentane Hannoveraner Thomas Brdaric ist hier Ligaspitze.

Es liegt nahe und wäre berechtigt, die Spieler nun für ihre Gierigkeit und Unverfrorenheit zu schelten. Allerdings ist der FC Chelsea als Role Model des modernen Klubfußballs an der Entwicklung hin zur Widernatürlichkeit nicht ganz unschuldig. Mit Hilfe eines Milliardärs und der Legitimation des Bosman-Urteils hat sich der Verein quer durch die Fußballwelt gekauft. Chelsea steht für die totale Konzentration auf den Erfolg bei totaler Loslösung von lokalen Aspekten. Kann man es den Spielern da zum Vorwurf machen, dass auch sie bei besseren Angeboten durch die Fußballwelt ziehen – selbst wenn es ihrer Bestimmung widerspricht?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben