Sport : Hauptsache gewonnen

Hertha BSC siegt durch Rafaels Tor 1:0 gegen Wolfsburg und stärkt das Selbstvertrauen im Abstiegskampf

Klaus Rocca

Berlin. In der Schlussminute forderte der Stadionsprecher die Zuschauer auf, sich von ihren Plätzen zu erheben, „sofern ihr Herthaner seid“. Viele, viele taten es. Die im Fanblock, sangesfreudig wie noch nie in dieser Saison, sowieso. Wann hatten sie, die Anhänger von Hertha BSC, schon mal Grund zur kollektiven Freude. Letztmals Ende Februar, nach dem Sieg über Hannover. Und gestern wieder. Da wurde der VfL Wolfsburg, der sich durch den Trainerwechsel einen Kick erhofft hatte, zwar nur mit dem knappsten aller Ergebnisse niedergehalten, der Erfolg über die schwächste Rückrunden-Mannschaft der Liga war auch ein Muss. Doch das 1:0 (1:0) war Balsam auf die Seelen der Hertha-Fußballer. Und auf die Seele ihres Trainers. „Mein Osterfest ist gerettet“, sagte Hans Meyer mit verschmitztem Lächeln.

Zuvor hatte er einen genüsslichen Blick auf die Ergebnisse der Konkurrenz im Abstiegskampf geworfen. München 1860 hatte vier Tore kassiert, Kaiserslautern gleich sechs. Was im Falle der Lauterer, nun punktgleich mit den Herthanern, noch Bedeutung haben könnte. Dann nämlich, wenn am Ende die Tordifferenz über den Klassenerhalt entscheiden sollte. Vielleicht werden den Pfälzern noch die drei Punkte zum Verhängnis, die ihnen wegen der früheren Lizenzverstöße abgezogen wurden.

Hertha bleibt auf einem Abstiegsplatz. „Nun müssen wir in Gladbach nachlegen“, fordert Manager Dieter Hoeneß. „Es hat sich jedenfalls gelohnt, dass wir in der Woche Gespräche untereinander und mit dem Trainer geführt haben“, sagte Arne Friedrich. Für ihn, meist in der Defensive und in der Offensive einer der stärksten Herthaner, ist es weiter vor allem Kopfsache. Das sieht sein Trainer ein wenig anders, der wiederholt von zu geringer spielerischer Substanz sprach.

Die versuchte Hertha auch gestern mit großem Kampfgeist zu kompensieren, im Gegensatz zu den vorangegangenen fünf Spielen diesmal mit Erfolg. „Wir haben das erste Mal nach vorn richtig Druck gemacht. Das hat sich ausgezahlt“, bilanzierte Meyer. Dass er später auch von „geballter Sturmkraft“ sprach, durfte man getrost als einen seiner beliebten Scherze werten.

Artur Wichniarek jedenfalls durfte sich nicht wundern, dass er nach einer knappen Stunde vom Rasen geholt wurde. Viel war es nicht, was er geboten hatte. Da machte Nando Rafael, die zweite Sturmspitze, seine Sache schon besser. Nicht von ungefähr schoss der 20-jährige Angolaner, nach guter Vorarbeit von Marcelinho und Pal Dardai, nach 22 Minuten das Tor des Tages, sein drittes in dieser Saison. „Leider haben wir es dann versäumt, unsere weiteren Torchchancen zu verwerten. Dadurch ist noch mal Unruhe in unser Spiel gekommen“, sagte Friedrich. An Möglichkeiten fehlte es nicht, schließlich hatte man es auch mit der schwächsten Abwehr der Liga zu tun.

Allerdings auch mit einem der erfolgreichsten Angriffe. Immerhin hatten die Wolfsburger vor dem gestrigen Duell fast 20 Tore mehr als Hertha erzielt. Doch so sehr sich der quirlige Andres D’Alessandro, von Andreas Schmidt und Dardai recht ordentlich beschattet, auch bemühte, seine Mitspieler in Szene zu setzen, viel sprang für die Gäste trotz des Powerplays in den letzten 20 Minuten nicht heraus. Zudem hatten sie Pech, dass Schiedsrichter Helmut Fleischer die Ringereinlage von Josip Simunic gegen Diego Armando Klimowicz nicht mit dem durchaus möglichen Elfmeter ahndete. „Der Ausgleich wäre auch nicht verdient gewesen“, gab sich Erik Gerets, als Röber-Nachfolger neuer VfL-Hoffnungsträger, als guter Verlierer. Und schließlich könne „man die Welt nicht an einem Tag verändern“.

Das hat Hans Meyer seit seinem Amtsantritt an weit mehr Tagen auch nicht geschafft. Immerhin, er hat Mut bewiesen, wenn auch oft der Personalnot gehorchend, indem er junge Leute wie Rafael, Malik Fathi und Denis Cagara zum Zuge kommen ließ. Alle drei machten ihre Sache recht ordentlich, der 19-jährige Cagara tat sich noch am schwersten. „Er war manchmal ein wenig übereifrig“, sagte Hoeneß.

Zwei Tage können die Herthaner ihren erst dritten Heimsieg nun auskosten, dann müssen sie wieder auf den Trainingsplatz. Und Hoeneß wird sich dann mit Meyer zusammensetzen. Ob Meyer bei Hertha eine Zukunft hat oder überhaupt haben will, wird sich dann entscheiden.

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