Sport : Hauptsache im Team

Welche Mannschaft sich Albas Manager wünscht

Benedikt Voigt

Berlin - Es gibt ein Wort, das man dieser Tage beim Basketball-Bundesligisten Alba Berlin öfter hört. Es kam erst im Laufe der letzten Saison in Mode, als mancher Spieler jene Fähigkeit, die dieses Wort beschreibt, offenbar nicht hatte. Sonst wäre das Team nicht so oft als eine Ansammlung von Individualisten aufgetreten. Das Wort drückt eine neue, wichtige Anforderung an die Spieler bei Alba Berlin aus. Es lautet: Teamfähigkeit.

„Wir haben darauf geachtet, dass wir Spieler holen, die Teambasketball gespielt haben“, sagt Albas Vizepräsident Marco Baldi. „Spieler, die nicht 15 Schüsse pro Spiel brauchen, um glücklich zu werden.“ Der estnische Shooting Guard Tamel Tein, der Spielmacher Gerald Brown und der Power Forward Michael Wright (beide USA) passen offenbar in dieses Profil. „Das waren wichtige Moves für uns“, sagt Baldi im Basketball-Jargon. Nun sucht der Vizepräsident, der bei Alba für die Neuverpflichtungen zuständig ist, noch einen zweiten Centerspieler und einen Small Forward. „Das ist die Pflicht.“ Als Kür will der Verein noch einen jungen Spieler verpflichten, der Alba Perspektive gibt.

Denn das fällt längst auf: Alba vollzieht in der Mannschaft einen Umbruch, wie ihn der Verein noch nicht erlebt hat. Henrik Rödl beendete seine Karriere und rückte in den Trainerstab auf. Teoman Öztürk, Vladimir Petrovic, DeJuan Collins, John Best, Marko Pesic, Heiko Schaffartzik und Raed Mostafa mussten den Klub verlassen. Alba hatte erstmals nach sieben Jahren nicht den Titel geholt und konnte sich nur für den Uleb-Cup qualifizieren. „Wir sind jetzt in einer Umbauphase“, sagt Baldi. Nur Mithat Demirel, Stefano Garris, Jovo Stanojevic, Szymon Szewczyk und Guido Grünheid bleiben den Fans erhalten. Wie lange, das ist die nächste Frage. Vom aktuellen Team besitzen nur Stanojevic und Szewczyk einen Zweijahresvertrag, bei Wright hat der Verein eine Option auf ein zweites Jahr. Alle anderen Spieler sowie Trainer Emir Mutapcic unterschrieben Einjahresverträge. „Ich habe kein Problem damit, wenn man sich Jahr für Jahr neu entscheidet“, sagt Marco Baldi. „Henrik Rödl hatte auch keinen Elfjahresvertrag bei uns.“

Noch etwas fällt auf: Die Zeiten, in denen Alba sich Spieler holte, die aus dem eigenen Umfeld stammen, sind vorbei. „Es gibt keine jungen Spieler, die in der Lage sind, auf einem sehr guten Niveau zu spielen, aber das ist ein deutsches Problem“, sagt Baldi. Der Verein müsse jetzt schon im Ausland suchen, um geeignete junge Spieler zu finden. Die vielen Berliner Spieler in den Neunzigerjahren seien eine Ausnahme gewesen. „Wir haben jetzt im Vorstand und beim Trainer Kontinuität, aber das ist nicht alles“, sagt der Vizepräsident. Priorität haben bei Alba die ehrgeizigen Ziele, die der Verein mit dem gleichen Etat (4,5 bis 5 Millionen Euro) wie 2003/2004 erreichen will. „Wir wollen das Top-Team in Deutschland stellen“, sagt Baldi, „mit der Betonung auf Team.“ Da ist es wieder, dieses Wort, das so wichtig geworden ist.

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