Sport : Hauptsache richtig angezogen

Stefan Hermanns

Huub Stevens, der Holländer, hat in Deutschland bleibende Spuren hinterlassen. Mit der Wendung „von daheraus“ hat er die deutsche Sprache um eine eigenwillige Wendung bereichert, „die Null muss stehen“ ist in den allgemeinen Zitatenschatz eingegangen. Doch hinter seinen sprachbildnerischen Erfolgen sind Stevens’ sonstige Verdienste leider ein bisschen in Vergessenheit geraten. Sein unermüdlicher Einsatz für die Disziplin zum Beispiel. Alexander Madlung hat einmal versucht, während eines Trainingslagers mit Hertha BSC in Badelatschen zum Mittagessen zu kommen. Freundchen, so nicht!

Dass der Hamburger SV in seiner Verzweiflung eben diesen Stevens engagiert hat, folgt einem bewährten Verhaltensmuster: Ein neuer Trainer sollte sich nicht nur in Nuancen von seinem Vorgänger unterscheiden, er sollte sein genaues Gegenteil sein. Thomas Doll konnte bis zum Schluss nicht aus seiner Haut; er blieb ein Spielerversteher. Stevens ist der Anti-Doll, so wie es übrigens auch Felix Magath gewesen wäre.

Jetzt, da Stevens wieder in Deutschland aufgetaucht ist und einen original Jörg- Berger-Auftrag übernommen hat, wird einem erst bewusst, welch erstaunlichen Wandel sein Bild in den vergangenen Jahren erfahren hat. Als er 2002 bei Hertha BSC anfing, wurde er den Berlinern als großer Stratege verkauft, eine Art Arsène Wenger der Bundesliga, der die auf hohem Niveau stagnierende Mannschaft endlich auf eine neue Qualitätsstufe bringen würde. Anderthalb Jahre später musste Stevens wieder gehen, weil Hertha auf dem vorletzten Tabellenplatz zwischengelandet war. Beim HSV kann Stevens nun vollenden, was ihm in Berlin versagt blieb – so oder so. Zumindest ist gewährleistet, dass die Spieler nicht in Badelatschen zum Essen erscheinen.

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