HAWK-EYE : Folge 10: Die Folgen einer Tennisehe

Jedes Grand-Slam-Turnier ist eine kleine Welt für sich. Von Eindrücken, Kuriositäten und kleinen Geschichten am Rande der US Open erzählt an dieser Stelle täglich Anke Myrrhe, live aus New York.

Anke Myrrhe[New York]

Es gibt eine Theorie, die besagt, dass sich Ehepaare im Verlauf ihres Zusammenseins immer ähnlicher werden. Nicht nur auf mentaler Ebene nähern sich viele durch den ständigen Austausch mit dem Partner an, auch äußerlich gibt es dieses Phänomen durchaus, er wird oft durch die beliebten einheitlichen Tchibo-Regenjacken im Doppelpack noch befördert.

Was Roger Federer und Rafael Nadal seit nunmehr vier Jahren auf dem Tennisplatz verbindet, kommt einem eheähnlichen Verhältnis gleich. Nur Andy Murray durchbrach ihre Zweisamkeit kürzlich für vier Wochen, ansonsten hatten sich die beiden seit 2005 gemütlich eingerichtet an der Spitze – mal gewann der eine, mal der andere, mal ist der eine Nummer eins mal der andere, um die sportliche Beziehung zugegebenermaßen etwas oberflächlich auf einen Satz herunterzubrechen.

Auch die Beziehung außerhalb des Platzes läuft soweit ganz prima: Nadal gratulierte Federer zur Geburt seiner Zwillinge und zum Wimbledontitel, Federer bedankte sich und wünschte Nadal gute Besserung nach seiner Knieverletzung. Nie hat der eine ein schlechtes Wort über den anderen verloren, was nicht etwa auf eine stillschweigende Vereinbarung zurückzuführen ist, sondern auf echten gegenseitigen Respekt. Wie sich das gehört in einer intakten Beziehung.

Nun allerdings erreicht diese harmonische Tennisehe insofern ihren Höhepunkt, da sich die beiden Partner auch äußerlich immer ähnlicher werden. Was in diesem spezifischen Fall eigentlich heißt, dass Rafael Nadal immer mehr zu einem zweiten Roger Federer zu werden scheint. Ein Blick auf die Bilder des vergangenen Jahres in Flushing Meadows zeigt Rafael Nadal mit schulterlangen Haaren, Hosen, die bis übers Knie reichen und ärmellosen T-Shirts, die seine Muskelberge zur Schau stellten.

Ein Jahr später aber taucht bei den US Open ein ganz anderer Rafael Nadal auf. Das Outfit hatte er schon zu Beginn des Jahres mit knielangen Shorts und einem normalen Poloshirt seinem fortschreitenden Alter angepasst. Trotz desselben Ausrüster bekommt natürlich noch jeder sein eigenes Outfit (Federer in Rot-Schwarz – im Wechsel, je nach Tageszeit – und Nadal noch immer etwas flippiger in Gelb, Türkis und Schwarz) – bis zur Tschibo-Jacken-Kombo reicht die Liebe dann doch nicht, was aber vor allem kommerzielle Gründe hat.

Doch nun sind bei Nadal auch noch die Haare ab, die Position des Stirnbands passt sich immer mehr der des Schweizers an, doch die eindeutigste Veränderung ist: Auch die Muskelberge werden bei Nadal scheinbar immer kleiner. Während Federer schon immer der wesentlich schlankere der beiden Partner gewesen ist, nahm Nadals Oberkörper beinahe die Form eines Bodybuilders an. Auch wenn Nadal behauptet, kein Gewicht verloren zu haben, so ist die körperliche Veränderung des 23-Jährigen deutlich erkennbar. Der Grund dafür wird sein Geheimnis bleiben.

Jedenfalls sieht es so aus, als würde man dieses großartige Tennispaar in ein paar Jahren wohl nur noch an den unterschiedlichen Sprachen erkennen können. Und vielleicht daran, dass der eine mit dem linken und der andere mit dem rechten Arm Tennis spielt. Dafür kann es nur einen Grund geben: Hier ist wahre Liebe im Spiel.

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