HAWK-EYE : Folge 14: Das passende Outfit

Jedes Grand-Slam-Turnier ist eine kleine Welt für sich. Von Eindrücken, Kuriositäten und kleinen Geschichten am Rande der US Open erzählt an dieser Stelle täglich Anke Myrrhe, live aus New York.

Anke Myrrhe[New York]

Wenn die Sonne wieder herauskommt, zeigen sich einige der Besucherinnen von ihrer schönsten Seite. Das ist durchaus verständlich, schließlich mussten sie sich in den vergangenen Tagen unter großen Regenschirmen und hinter dicken Schals verstecken. Am Sonntag aber schien pünktlich zum „Super Saturday“, der durch das viele Wasser, das der Himmel in den vergangenen Tagen unbedingt loswerden wollte, zum „Super Sunday“ geworden war, endlich wieder die Sonne über der Anlage in Flushing Meadows.

Das veranlasste einige der weiblichen Tennisfans, sich in ganz besonderer Garderobe zu zeigen: Manche der Damen kamen im Tenniskleidchen, viele von ihnen hatten dazu sogar die passenden Tennisschuhe an – die bei den meisten aber auffällig unbespielt aussahen.

Im Tennisdress zum Tennis? Die Idee, die auf den ersten Blick ziemlich merkwürdig wirkt, ist nach kurzem Überlegen gar nicht mal so unlogisch. Schließlich ist es ja durchaus üblich, seinen Lieblingsverein beim Fußball, Basketball oder Eishockey mit dem passenden Trikot zu bejubeln. Doch würde man dazu auch das passende Schuhwerk tragen? Auf der Tribüne des Olympiastadions sieht man wohl eher selten Hertha-Fans mit Stollenschuhen. Und beim Eishockey ist diese Vorstellung noch ein wenig absurder. In die O2-World würde man da wohl allein aus Sicherheitsgründen von einen Ordner entsprechend zurechtgewiesen werden.

Doch da gibt es noch einen anderen Punkt, an dem der Vergleich mit den Mannschaftstrikots bei einem dritten Gedankengang hinkt. Denn an den hübschen Kleidchen ist so gar nicht zu erkennen, für welchen der Tennisprofis das Herz der darin steckenden Damen schlägt. Schon gar nicht, wenn sie damit zum Halbfinale zwischen Roger Federer und Novak Djokovic unterwegs sind. Also was soll das Ganze?

Es kann eigentlich nur eine Erklärung geben. Die meisten dieser als Sportbekleidung ausgewiesenen Dresses sind für die sportliche Aktivität auf dem Platz nämlich gänzlich ungeeignet und vor allem unbequem. Aber da sie ja einfach so wunderschön aussehen, fallen viele Hobbyspielerinnen doch immer wieder auf den Kauf eines pinken Minikleides herein. Nach dem Austesten vor kritischen Blicken der Vereinsmitglieder darf der teure Fummel schließlich nicht einfach im Schrank verschwinden. Es muss also eine Gelegenheit her, bei der man die schicke Garderobe auftragen kann. Welche könnte sich da besser eignen als das Halbfinale der US Open, wo sehen und gesehen werden ohnehin zu einem der Hauptbesuchsgründe zu gehören scheint.

Vielleicht sollten die Damen sich als Variante überlegen, sich den Namen ihres Lieblingsspielers auf den Rücken flocken zu lassen. Dann hätte das Ganze wenigstens einen Sinn. Ansonsten soll jeder anziehen was er will.

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