HAWK-EYE : Folge 7: Ohrwurm beim Aufschlag

Jedes Grand-Slam-Turnier ist eine kleine Welt für sich. Von Eindrücken, Kuriositäten und kleinen Geschichten am Rande der US Open erzählt an dieser Stelle täglich Anke Myrrhe, live aus New York.

Anke Myrrhe[New York]

Auf der großen Video-Leinwand im Arthur-Ashe-Stadion tanzen wieder einmal zwei leichtbekleidete Frauen. Für die kühleren Temperaturen am Sonntag offensichtlich falsch angezogen, sind die beiden gänsehautbedeckt – und halten sich während des Seitenwechsels mit ein paar Hüftschwüngen warm. Dass sie es geschafft haben, damit die Aufmerksamkeit des Kameramanns zu erwecken, freut sie so sehr, dass sie begeistert die Arme hochreißen und noch etwas exzessiver loslegen, mit den Hintern zu wackeln.

Musik in den Pausen ist etwas, das es nur bei den US Open gibt. Es passt eigentlich nicht zum Tennis, doch die Zuschauer in New York lieben diese auflockernden Einlagen. Und sich selbst einmal dort oben auf der Viedoleinwand zu sehen, verleitet viele der Besucher zu ausgefallenen Tanzeinlagen, die wiederum die restlichen Besucher im Stadion begeistern. Stimmung ist alles im Arthur-Ashe-Stadium.

Für die Spieler ist es nicht immer leicht, da die Konzentration zu behalten. Nicolas Kiefer schaute in seinem Match gegen Rafael Nadal während der Seitenwechsel selbst öfter hoch, um das Schauspiel der tanzenden Verrückten schmunzelnd zu betrachten. Er empfand diese lautstarken Unterbrechungen als willkommende Ablenkung von dem Druck, den er auf dem Platz verspürte.

Doch ob das bei jedem Spieler so ist? Jeder weiß, wie schnell ein Song einfach so im Ohr hängenbleibt, ob man nun will oder nicht. Deswegen hören ja viele Sportler ganz bestimmte Lieder, bevor sie den Platz betreten. Es ist wichtig in den richtigen „Mood“ für große Leistungen zu kommen.

Man stelle sich vor, Rafael Nadal geht zum Aufschlag und hört auf einmal in seinem Kopf das gerade gespielte „Sweet Caroline“. Genervt serviert er einen Doppelfehler. Als Andy Murray sich zum Volley bereitstellt, kommt dem Briten auf einmal „Sweet home Alabama“ in den Kopf. Er versemmelt den Flugball. „Rocking all over the world“, scheint hingegen Roger Federer zu einem schier unmöglichen Passierschlag zu animieren. Und warum strecken eigentlich so viele Spieler nach einem guten Punkt die Arme in die Luft. Doch nicht etwa weil gerade noch „YMCA“ lief? Als Venus Williams nach ihrer Niederlage gegen Kim Clijsters mit hängendem Kopf vom Platz stiefelt, hört sie irgendwo ganz hinten in ihrem Kopf „Who let the dogs out?“ „Passt doch…“, denkt sie und verschwindet schnell.

Manchmal ist es vielleicht ganz gut, dass die tanzenden Zuschauer nicht keine Ahnung davon haben, was die Pausensongs in den Köpfen der Spieler auslösen.

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