HAWK-EYE : Folge 8: Tenniskindergarten

Jedes Grand-Slam-Turnier ist eine kleine Welt für sich. Von Eindrücken, Kuriositäten und kleinen Geschichten am Rande der US Open erzählt an dieser Stelle täglich Anke Myrrhe, live aus New York.

Anke Myrrhe[New York]

Was für ein Kinderzirkus ist die Tennistour dieser Tage in New York. Man weiß gar nicht, welche Geschichte nun schöner ist, die der neuen Tennismutter Kim Clijsters oder die Tatsache, dass Allessieger Roger Federer und seine Frau, die Ex-Profispielerin Mirka, gleich zwei potenzielle Grand-Slam-Siegerinnen produziert haben.

Es ist reiner Zufall, dass Clijsters ausgerechnet zu dem Zeitpunkt ihre zweite Karriere beginnt, an dem Federer sich zum ersten Mal mit seinen sechs Wochen alten Zwillingstöchtern auf der Tour versucht. Und promt redet alles nur noch über die Kleinen. Junge erfolgreiche Spielerinnen denken darüber nach, dem Beispiel von Clijsters zu folgen, denn es sieht ja alles so einfach aus: Ein bisschen Tennis spielen, die Nummer eins der Weltrangliste werden, ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, ein Kind kriegen, und wieder von vorn anfangen. Karriereplanung für Fortgeschrittene.

Dabei sind Kinder gar nicht so neu auf der Tour. Andre Agassi war zum Beispiel nach der Geburt seiner Kinder Jaden Gil und Jaz Elle ebenso erfolgreich wie zuvor – was man von seiner Frau Steffi Graf nicht sagen kann, aber die wollte ja auch nicht mehr und war ohnehin schon so erfolgreich gewesen wie kaum eine andere. John McEnroe hingegen gewann nach der Geburt seiner Kinder kein Grand-Slam-Turnier mehr, während Lindsay Davenport nach der Geburt ihres ersten Kindes Jagger Jonathan erfolgreich zurückkehrte und vier Turniere gewann.

Während nun alles darüber spekuliert, ob das Vaterglück etwas an Federers Dominanz auf dem Tennisplatz ändern könnte und ob es Clijsters gelingen wird, als erste Mutter nach Evonne Goolagong 1980 einen Grand Slam zu gewinnen, ist eine andere Frage doch viel interessanter: Was machen eigentlich die Kleinen während ihre Eltern ihrem Beruf nachgehen?

In sagen wir zwei Jahren könnte Charlene Riva Federer zum Beispiel den dann dreijährigen Cruz Hewitt in der Kinderbetreuung der US Open mit Bauklötzen bewerfen, während Jada Clijsters Lynch versucht, der inzwischen fünfjährigen Mia Hewitt die Buntstifte zu klauen. Myla Rose Federer ist hingegen unheimlich fasziniert vom neuen I-Phone von Tina Bammer, der mit ihren zehn Jahren das Benehmen der „Kleinen“ ganz schön auf die Nerven geht.

Nicht mehr mitspielen wird dann die Tochter von Fabrice Santoro, denn ihr Papa ärgerte sich so sehr darüber, dass er ihre Einschulung und andere unvergessliche Kindheitserlebnisse verpasst hat, dass er jetzt auch nicht mehr mitspielen möchte. Vielleicht kommt dafür aber bald Davenports Sohn Jagger Jonathan wieder, und bringt gleich seine kleine Schwester Lauren Andrus mit.

Was für ein Spaß. Und das Beste daran ist: Es bleiben ja noch rund 20 Jahre Zeit für Spekulationen darüber, ob die Federer-Schwestern nicht vielleicht doch die Nachfolge der Williams-Schwestern antreten könnten.

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