HBL : Einen Großen besiegt

Die Füchse gewinnen gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 33:28 und bezwingen damit erstmals in dieser Saison ein Top-Team. Die Freude im Lager der Sieger kennt danach keine Grenzen.

Hartmut Moheit

Sie konnten lange nicht genug bekommen. „Noch einmal: Oh wie ist das schön“, forderte Manager Bob Hanning vom Mann am Mischpult in der Schmeling-Halle. Und glückselig vereinten sich die Stimmen der 8795 Fans mit denen der Spieler der Füchse Berlin. „Endlich hat es mal gegen einen Großen geklappt, endlich“, sagte Abwehrchef Stian Vatne. Mit 33:28 (16:11) hatten die Berliner Handballer kurz zuvor die Rhein-Neckar Löwen besiegt, den bisherigen Tabellendritten der Bundesliga und Champions-League-Teilnehmer. Nicht irgendwie, mit Glück und Durchwurschteln, sondern verdient, wie Löwen-Trainer Ola Lindgren fair zugab. Mit der besten Saisonleistung in eigener Halle. „Endlich haben wir unseren tollen Fans mal ein Erlebnis geboten, das sie längst verdient hatten“, sagte Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson.

Der unerwartete Erfolg war auch Ergebnis einer neuen Einstellung seines Teams. „Bisher haben wir gegen Spitzenteams immer gesagt, dass wir gut aussehen wollen“, erzählte Bob Hanning, „aber diesmal haben wir von vorherein gesagt, wir wollen gewinnen.“ Und wie die Füchse dieses Vorhaben verinnerlicht hatten: Bereits in der 19. Minute nahm Lindgren beim 7:10 die erste Auszeit, weil er das Unheil bereits kommen sah. „Die Füchse waren hungriger, aggressiver“, sagte er, ändern konnte er nicht viel. Sieben Füchse-Spieler waren an der Fünf-Tore-Führung zur Halbzeit beteiligt, wobei Regisseur Bartlomiej Jaszka fünf seiner insgesamt sechs Treffer erzielte. Und im Tor steigerte sich Petr Stochl immer mehr in eine Glanzform, die seine Gegenüber Slawomir Szmal und später Henning Fritz diesmal nicht drauf hatten.

Aber da blieben ja noch die zweiten 30 Minuten. Sollten die Füchse dieses hohe Niveau tatsächlich aufrechterhalten können? In den vergangenen Spielen hatten sie schließlich immer wieder einen Einbruch erlebt. Auch diesmal schien es wieder so zu laufen, als die Rhein-Neckar Löwen ihre Abwehr auf eine 5:1-Formation umstellten. „Darauf hatten wir keine Anwort, aber wir haben diese Phase irgendwie überstanden“, sagte Sigurdsson. Vom 21:15 (38.) bis zum 21:19 vergingen gerade einmal fünf Minuten. Es war jener Zeitpunkt in der 43. Minute, als Sigurdsson in noch nie gesehner Weise wütend auf eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter reagierte, Mark Bult beim 23:21 einen Siebenmeter verwarf und danach sogar ein Wechselfehler mit einer Strafzeit gegen ihn geahndet wurde. Da herrschte Chaos und die Gäste schienen psychologisch wieder im Vorteil zu sein. Genau in dieser Situation fällte Sigurdsson Entscheidungen, die den Einbruch verhinderten. Er brachte wieder Stochl für den glücklos agierenden Silvio Heinevetter und Konrad Wilczynski ersetzte wieder Martin Murawski. Stochl hielt die Würfe von Siarhei Harbok und Olafur Stefansson, Wilczynski warf ab der 50. Minute (24:21) vier Tore. „Der Trainer hat für mich das Spiel gewonnen“, sagte Bob Hanning euphorisch. Und im Hintergrund feierten die Fans ihre Füchse noch lange danach.

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