Sport : Heidfeld fährt vor

Der Formel-1-Pilot glänzt beim Test im Lotus und wird wohl Kubica ersetzen

Beklemmendes Gefühl. Nick Heidfeld fuhr jahrelang mit Robert Kubica bei BMW-Sauber – nun könnte er von der schweren Verletzung des Polen profitieren. Foto: nordphoto
Beklemmendes Gefühl. Nick Heidfeld fuhr jahrelang mit Robert Kubica bei BMW-Sauber – nun könnte er von der schweren Verletzung des...Foto: nordphoto

Nur die offizielle Bestätigung fehlte am Sonntagnachmittag noch. Nach Nick Heidfelds erfolgreichem Test in Jerez (Spanien) kann aber als gesichert gelten: Der 33-jährige Mönchengladbacher wird beim Saisonauftakt der Formel 1 in einem Monat in Bahrain im Lotus-Renault des verletzten Robert Kubica sitzen. Heidfeld kam auf Anhieb sehr gut zurecht, fuhr die Tagesbestzeit und lieferte auch vor allem sehr wichtige technische Informationen.

„Ich glaube, ich habe das Bestmögliche gezeigt“, sagte Heidfeld danach zufrieden. „Ich habe keinerlei Fehler gemacht und das Team auch in der Abstimmung des Autos weitergebracht.“ Heidfeld lieferte damit wieder einmal den Beweis, zu den besten, aber vielfach eben auch unterschätztesten Piloten der Szene zu gehören. Wobei seine Chancen, das verwaiste Cockpit zu bekommen, auch zuvor schon recht gut waren. Schließlich hatte sich das Team – entgegen öffentlicher Äußerungen – sehr schnell mehr oder weniger auf Heidfeld festgelegt. Bereits am vergangenen Dienstag, zwei Tage nach Kubicas Unfall, traf er sich am Sitz des Team im englischen Enstone mit Teamchef Eric Boullier und den Ingenieuren. Als er wieder nach Hause flog, um sich dann am Mittwoch um seinen Rennlizenz zu kümmern, gab es bereits ein Handschlagabkommen.

„Wir haben zusammen mit den Ingenieuren eine Liste mit Eigenschaften aufgestellt, die der Ersatzmann haben muss“, sagt Boullier – und daraus ergab sich schnell: Jahrelange Formel-1-Erfahrung ist eines der wichtigsten Kriterien. Bei Lotus-Renault ist man überzeugt, dieses Jahr ein so gutes Auto zu haben, dass man auf jeden Fall um Podestplätze, vielleicht sogar um Siege mitfahren kann. Der zweite Pilot, Witali Petrow aus Russland, verdankt seinen Platz vor allem finanziellen und politischen Gründen. Deswegen will man unbedingt einen erfahrenen Piloten als Ersatz für Kubica, der nach seinem schweren Rallye-Unfall noch ein drittes Mal operiert werden sollte und auf jeden Fall einige Monate, vielleicht sogar die ganze Saison ausfallen wird. Der junge Nico Hülkenberg, derzeit Testfahrer bei Force India, bekam wegen dieser Anforderungen schnell eine Absage, und auch Testpilot Bruno Senna, wurde nie wirklich in Betracht gezogen, obwohl er am Sonntag in Jerez an seinem ersten Tag für das Team einen durchaus guten Job ablieferte. Für Heidfeld spricht weiter, dass das aus Spargründen eingeführte Testverbot während der Saison sämtliche Entwicklungs- und Abstimmungsarbeit in kürzester Zeit während der Rennwochenenden erledigt werden muss.

Nick Heidfeld darf nun darauf hoffen, nach einer Karriere der verpassten Chancen endlich einmal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nach dem Ausstieg von BMW war er nur noch Ersatzfahrer bei Mercedes. Nun bot sich nach dem Unfall seines langjährigen BMW-Teamkollegen eine unverhoffte Chance. Heidfeld tat sich durchaus schwer damit. „Als ich letzten Sonntag von Roberts Unfall hörte, war das schon ein sehr beklemmendes Gefühl“, sagte er. „Ich wusste ja im Prinzip: Je schwerer Roberts Verletzungen sind, desto größer ist die Chance, dass man mich holt. Das ist nicht einfach. Aber letztlich kann ich nichts daran ändern – und wenn sich mir die Chance bietet, dann muss ich sie auch ergreifen.“

Es könnte die größte seit langem für ihn werden. Einige Experten halten den Lotus-Renault mit dem revolutionären Konzept des Auspuffs vor dem Cockpit für ähnlich schnell wie den Ferrari, knapp hinter Red Bull. Vielleicht wird es ja doch noch was mit dem ersten Grand-Prix-Sieg für Nick Heidfeld.

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