Sport : Heidi trifft Sissi

Schweiz und Österreich richten die Fußball-EM 2008 aus

Paul Kreiner

Wien. „Jetzt oder nie“ hatte die Devise bei Österreichs Fußballverband gelautet. Zweimal war man bereits abgeblitzt: 1991, als die Uefa wegen der Hooligan-Gefahr einen Ersatz für Großbritannien suchte, und 1997, als man gemeinsam mit Ungarn eine Art Bewerbung der Donaumonarchie einreichte. Wenn nun auch die Bewerbung für 2008 schief ginge, würde Österreich wohl für zwei weitere Jahrzehnte die Hoffnungen aufgeben müssen.

Doch es hat geklappt. Gestern vergab der europäische Fußballverband Uefa die Europameisterschaft 2008 an Österreich und die Schweiz. Die Doppelbewerbung punktete mit einem Konzept der kurzen Wege, mit neuen Stadien, mit Sicherheit und dem touristischen Umfeld. Natürlich hat man auch, das gehörte zum Konzept, die Alpen- und Österreichklischees ausgespielt. Mit Emmentaler und Sachertorte ließ der Doppelbewerber zwei Halbwüchsige vor die 14 Uefa-Gewaltigen treten und im Rollenspiel die Vorzüge der beiden Alpenländer darlegen. Heidi traf sozusagen auf Sissi.

„Mit glühender Leidenschaft“, sagte der Präsident des Österreichischen Fußball-Bundes, Friedrich Stickler, etwas emphatisch, werde man die Europameisterschaft austragen. Was er nicht sagte: Auf diesem etwas teuren Umweg hat sich Österreich endlich auch für die Teilnahme an einer Europameisterschaft qualifiziert; die Fußballer waren dazu noch nie in der Lage. Aber das soll besser werden. Mit Millionen von Euro, unter anderem vom austro-kanadischen Fußballfreund und Milliardär Frank Stronach, will Österreich die Talente im Land auf europäisches Niveau bringen.

Mit ihrer höchst professionell eingestuften Kampagne hatten Österreich und die Schweiz sechs Mitbewerber aus dem Feld geschlagen: die nordische Kombination (Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden), Schottland/Irland und Griechenland/Türkei, außerdem Ungarn, Russland sowie das Konsortium Kroatien/Bosnien-Herzegowina. Die 31 Spiel werden nun zwischen dem 7. und 29. Juni 2008 in vier österreichischen und vier Schweizer Stadien ausgetragen. Die Eröffnung findet im neuen Berner Wankdorfstadion statt, das Finale im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Dabei sind ferner der St.-Jakob-Park in Basel, das vor kurzem fertig gestellte Tivoli-Stadion in Innsbruck, sowie das Stadion Salzburg-Wals, das im kommenden Frühjahr eingeweiht wird. In Zürich, Klagenfurt und Genf entstehen gänzlich neue Arenen. Allein in Österreich rechnet man mit 170 Millionen Euro Investitionskosten, und während das Geld in der Schweiz – abgesehen von einem fünfprozentigen Staatszuschuss – aus privaten Quellen kommt, zahlen in Österreich Bund, Länder und Gemeinden.

Beide Länder erwarten fast 1,2 Millionen Besucher. Österreichische Wirtschaftsinstitute prophezeien eine Wertschöpfung von bis zu 150 Millionen Euro; 3000 bis 4000 Arbeitsplätze sollen in Österreich entstehen, und der Termin der EM freut auch die Touristikbranche: Das Geschäft im Juni verdrängt nicht die Hauptsaison, die kommt erst danach – als Zugabe.

Die EM wird den Wirtschaftsinstituten zufolge konjunkturstabilisierend auf die Bauwirtschaft wirken. Pro Jahr erwartet Österreich in dieser Branche 750 neue Stellen. Das alles war geradezu ein Schnäppchen: Das gemeinsame Budget für die Bewerbung betrug gerade mal 3,3 Millionen Euro.

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