Sport : Heiko Herrlich: Sein Leben geht weiter

Felix Meininghaus

Spiele zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund waren noch nie normale Begegnungen, bei denen man auf den Rasen geht, 90 Minuten hinter dem Ball herrennt und danach wieder zur Tagesordnung übergeht. Am Sonnabend, 1:0-Sieg der Schalker im 118. Duell gegen den uneliebten Nachbarn, war vieles anders, eigentlich so gut wie alles. Nach dem Terrorangriff auf Amerika hatten viele auf beiden Seiten gar nicht spielen wollen. Und ausgerechnet in dieser Situation gab einer sein Comeback, das unter normalen Umständen vielleicht die Nachricht des Tages abgegeben hätte. So aber fügte sich die Rückkehr des Heiko Herrlich als Teil eines schwer zu definierenden Ganzen in die melancholische Grundstimmung in der Arena Auf Schalke.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Das Leben geht weiter - dieser Satz ist in den letzten Tagen oft gesagt worden. Für Herrlich hat er eine ganz eigene Bedeutung. Der Dortmunder Stürmer kehrte 310 Tage nach der Diagnose Hirntumor ins Bundesligageschehen zurück. Bevor Herrlich 13 Minuten vor Schluss eingewechselt wurde, spielten sich am Spielfeldrand bewegende Szenen ab: Bevor er den Rasen betrat, umarmte Herrlich Dortmunds Vereinsarzt Dr. Michael Preuhs innig: "Er hat sich intensiv um mich gekümmert und Dinge unternommen, die lebensrettend waren."

Für Herrlich war der 16. September ein glücklicher Tag, auch wenn die Begleitumstände alles andere als schön waren: "Eigentlich gibt es zurzeit keinen Grund zur Freude", sagte der gläubige Christ mit Blick auf die Terroranschläge in den USA. Während die Welt den Atem anhält und in Angst vor den Folgen der Attentate lebt, hat Herrlich sein persönliches Trauma überwunden. Nach dem Sieg über den Krebs, erkämpft in einer sechswöchigen Strahlentherapie, ist ihm mit der Rückkehr auf die Bundesligabühne ein weiterer Schritt in die Normalität gelungen. "Ich habe meine Krankheit endgültig hinter mir gelassen", sagte Herrlich in den Katakomben der Schalker Arena. "Jetzt muss es weitergehen." Der Fußball und das Leben.

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