Sport : Heilen bis zum Müdewerden

Der Mainzer Nationalspieler Manuel Friedrich bastelt an seinem Comeback

Christian Tretbar[Mainz]

Am Ende der Woche muss er müde sein. Richtig müde. Das hat ihm sein Physiotherapeut als Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben. Manuel Friedrich soll sich quälen. Massagen, Krankengymnastik und immer höhere Belastungen für das verletzte linke Knie. Vor zwei Wochen wurde der Mainzer Fußballprofi operiert. Ein Hinterhornriss im Innenmeniskus zwang ihn zur Pause. Diese Woche ist er wieder ins Lauftraining eingestiegen. Er kämpft sich vorsichtig zurück, und spätestens beim nächsten Heimspiel gegen Aachen will er wieder dabei sein. „Aber im Moment tut es bei jedem Schritt noch ziemlich weh“, sagt der 27 Jahre alte Nationalspieler.

Aber er jammert nicht. Das ist nicht sein Stil. Dabei hatte er schon viele Rückschläge in seiner Karriere. Und der jüngste liegt noch nicht so weit zurück. Es war am 15. Mai dieses Jahres. Der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann gab seinen WM-Kader via Videoanimation bekannt. Manuel Friedrich fehlte, obwohl er der zweikampfstärkste deutsche Innenverteidiger der vergangenen Bundesligasaison war. Klinsmann nahm Jens Nowotny mit.

Es war eine heiß diskutierte Personalie. Viele glaubten, dass die Nicht-Nominierung ein schwerer Schlag für den jungen Mann sein müsse. „Ich habe zu keiner Sekunde damit gerechnet, dass ich noch dabei sein würde“, sagt Friedrich. Die WM selbst hat er als Zuschauer genossen. Im Stadion verfolgte er alle deutschen Spiele – bis auf das Viertelfinale und das Spiel um Platz drei. Er wusste, dass er nach der WM seine Chance bekommen würde. Und die hat er auch genutzt. Er überzeugte bei seinen Einsätzen gegen Schweden, Irland und San Marino.

Doch es war fast symptomatisch, dass er sich bei einem Einsatz im Trikot der Nationalmannschaft seine aktuelle Verletzung zuzog. In San Marino. „Ich habe einen langen Ball geschlagen, und dabei ist mir das linke Standbein weggeknickt“, erzählt Friedrich, der es gelernt hat, positiv zu denken. So hat er es auch gehalten, als sein großer Karrieresprung bevorstand, der dann aber erstmal ein rüdes Ende nahm. In der Saison 2002/03 wechselte er von Mainz zu Werder Bremen. Doch statt im Kampf um die Meisterschaft und die Champions League landete er in der Regionalliga. Nicht etwa, weil er schlecht spielte, sondern weil er sich zweimal das Kreuzband riss und fast ein Jahr lang pausieren musste. Danach kam er nicht mehr an die erste Mannschaft in Bremen heran, und nach 13 Regionalligaeinsätzen und sieben Bundesligaminuten wechselte er wieder nach Mainz.

„Ich würde heute alles wieder so machen, es war trotz der Verletzung eine schöne und lehrreiche Zeit.“ Diesen Optimismus, diese positive Lebenseinstellung und die Begeisterungsfähigkeit hat er sich von einem Mann abgeguckt, den er heute als „einen meiner besten Kumpels“ bezeichnet: Jürgen Klopp. Mit dem Mainzer Trainer verbindet ihn eine enge Freundschaft – schon aus der Zeit, als beide noch auf dem Platz zusammen spielten. Klopp hat Friedrich wieder aufgebaut und an die Nationalmannschaft herangeführt. Mit Klopp würde er sogar zu einem anderen Verein wechseln. Doch so weit ist es noch nicht. Denn Friedrich hat keine großen Pläne.

Nicht weil er Angst vor neuen körperlichen Rückschlägen hätte, sondern weil er alles auf sich zukommen lassen will. Er liebt den Fußball, aber zu dem Geschäft darum hat er ein distanziertes Verhältnis. Er liest keine Zeitung und schaut sich auch kein Fußballspiel im Fernsehen an. „Es nervt mich nicht, aber ich beschäftige mich auch nicht weiter damit. Ich könnte gut ohne diese ganze Geldmacherei in diesem Geschäft leben“, sagt er.

Hinter dieser Skepsis steckt bei Friedrich jedoch kein erhobener moralischer Zeigefinger, kein Gerechtigkeitsstreben oder gar politische Motivation. Es ist einfach nicht sein Ding. Viel lieber guckt er stundenlang Golf im Fernsehen oder geht selbst zum Putten. Am liebsten würde er nach seiner Karriere als Golflehrer in die USA auswandern oder vielleicht doch noch mal Informatik und Elektrotechnik studieren. Gedanken oder gar Sorgen macht er sich darüber heute noch nicht. Er denkt in kleinen Schritten. Und das heißt erst einmal Krankengymnastik, Knie belasten und müde werden – am Ende der Woche.

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