Sport : Heilsame Trennung

Der Basketballer Guido Grünheid verließ Alba als Talent – und kehrt im Finale als ernster Gegner zurück

Benedikt Voigt

Berlin - Exakt zwei Mal hat der Basketballprofi Guido Grünheid die Verantwortlichen von Alba Berlin begeistern können. Das erste Mal am 8. Juni 2003, als er mit einem Dreier in den Schlusssekunden die Berliner gegen Bamberg zum bisher letzten Meistertitel geworfen hat. Das zweite Mal vor zwei Wochen im Trikot von Rhein Energie Köln, als er im ersten Halbfinalspiel gegen Bamberg mit einem spektakulären Dunking seiner neuen Mannschaft zu einer scheinbar sicheren Führung verhalf. „Ja, Guido“, schrie Henning Harnisch, weil er auf eine Niederlage Bambergs hoffte, und sprang begeistert von seinem Stuhl im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle auf. Inzwischen sagt Albas Teammanager: „Jetzt wird man mich nicht mehr über einen Dunking von Guido Grünheid jubeln sehen.“

Dies ist vielleicht das größte Kompliment, das er Grünheid machen kann. Der 23-Jährige wird von Alba Berlin nicht mehr als der Nachwuchsspieler angesehen, der sich in Berlin nicht durchsetzen konnte. Sondern als ein ernst zu nehmender Gegner. „Er ist ein wichtiger Spieler in Köln“, sagt Harnisch. Bei Albas Niederlage (79:88) am Sonntag im ersten Finalspiel gegen Köln erzielte Grünheid neun für seinen ehemaligen Verein schmerzhafte Punkte. Im zweiten Finalspiel am Donnerstag (20 Uhr, live bei Premiere) stehen die Berliner nun auch wegen Grünheids guter Leistung unter Zugzwang.

Der Wechsel von Alba Berlin zu Rhein Energie Köln hat dem Power Forward sehr gut getan. In den Play-offs steigerte er seinen Schnitt auf knapp 19 Spielminuten und 7,9 Punkte, inzwischen gilt er sogar als Kandidat für den WM-Kader der Nationalmannschaft. „Er hat sich von einem jungen Spieler zu einem Spieler entwickelt“, sagt Harnisch, „er ist jetzt angekommen.“ Bei Alba ist ihm das nicht gelungen. „Das hat mit meinem Kreuzbandriss zu tun“, sagt Grünheid, „danach habe ich nicht mehr die Einsatzzeit bekommen, um fit zu werden.“ Im Sommer trennten sich beide Seiten einvernehmlich. „Trainer Henrik Rödl und ich hatten die gleiche Ansicht“, erklärt Grünheid, „ich wollte gehen und der Verein wollte mich auch nicht mehr.“

Abgesehen von jenem Wurf vor drei Jahren hatte es der 2,06 Meter große Basketballer in Berlin zu keiner herausragenden Leistung mehr gebracht. „Dieser Wurf kam ein bisschen zu früh“, sagt Harnisch, „es ist schön, ein Finale zu entscheiden, aber der Wurf stand in keinem Verhältnis zu seiner sportlichen Leistung.“ In den folgenden zwei Jahren kam Guido Grünheid oft nur für kurze Zeit von der Bank und beging übermotiviert Fouls oder warf aus schlechten Positionen auf den Korb. „Es war nicht einfach für ihn bei Alba“, sagt Harnisch, „er war Teil einer Mannschaft, die eine schwierige Zeit durchgemacht hat.“ Beide Seiten gerieten an einen Punkt, an dem es für beide besser war, sich zu trennen. Dem Nationalspieler Sven Schultze ist es bei Alba Berlin ähnlich ergangen.

Auch Schultze reifte erst nach seinem Weggang von Alba zum Leistungsträger in der Bundesliga. „Das ist normal“, findet Grünheid,, „es gibt eben Vereine wie Alba, in denen Spieler, die woanders Leistungsträger wären, von der Bank kommen.“ Harnisch freut sich über Grünheids Willen, sich in Köln durchzusetzen. „Es spricht für den Kopf und die Kraft dieser Spieler, dass sie mit so einer Situation positiv umgehen können.“

Auch habe Alba Grünheid nicht zu früh ziehen lassen, sagt Harnisch, „man kann nie wissen, wie so ein Weg weitergegangen wäre.“ Für Grünheid führte der Weg sofort ins Finale gegen seinen ehemaligen Klub. Besonders motiviert ist er deshalb nicht. „Das war nur im ersten Saisonspiel gegen Alba so“, sagt er. Er fühlt sich wohl in Köln, spricht sogar ein wenig Kölsch. Am Ende des Satzes hebt er die Stimme. „Den Thüringern wird ja nachgesagt, dass sie schnell andere Dialekte annehmen“, erklärt der aus Jena stammende Spieler. Er ist noch befreundet mit dem Berliner Spieler Martynas Mazeika. Bei Alba empfindet man ähnlich. „Ich verfolge seine Karriere mit großem Wohlwollen“, sagt Harnisch, mit einer Einschränkung jedoch. „Wenn er nicht gerade gegen uns den entscheidenden Wurf trifft.“

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