Sport : Heimflug nach Runde eins

So schlecht schnitten die deutschen Tennisdamen in Wimbledon noch nie ab

Benedikt Voigt

Berlin – Aus gegebenem Anlass sei noch einmal an das Jahr 1996 erinnert: Steffi Graf steht in Wimbledon im Endspiel gegen Arantxa Sanchez-Vicario, den ersten Satz gewinnt sie 6:3, im zweiten muss sie etwas länger kämpfen, ehe sie auch diesen 7:5 gewinnt. Danach darf sie wieder das tun, was sie zuvor schon so oft getan hat. Auf dem Centre Court an der Church Road eine kurze Rede halten, die Siegertrophäe in die Luft stemmen und zum siebten Mal den Ball der Turniersieger besuchen. So viel zur Vergangenheit, und nun zurück in die traurige Gegenwart des deutschen Damentennis.

Im Jahr 2004 hat es keine einzige deutsche Spielerin in Wimbledon geschafft, die zweite Runde zu erreichen. Die drei im Hauptfeld gestarteten deutschen Damen haben es auch nicht geschafft, einen Satz zu gewinnen. „Damit kann man natürlich nicht zufrieden sein“, sagt Klaus Eberhard. Der Fedcup-Teamchef hat sich in London drei deutliche Niederlagen ansehen müssen. Nach Marlene Weingärtner, die bereits am Montag ausschied, verlor gestern Anca Barna gegen die Italienerin Maria-Elena Camerin 5:7 und 2:6. Im ersten Satz hatte sie noch bis zum 5:5 mithalten können. Noch aussichtsloser kämpfte die 19-jährige Anna-Lena Grönefeld gegen die Thailänderin Tamarine Tanasugarn. Sie verlor 2:6 und 0:6. „Sie war seit Paris verletzt“, sagt Eberhard, „das Turnier kam für sie eigentlich noch zu früh.“ Marlene Weingärtner hatte bereits am Montag gegen die Tschechin Denisa Chladkova mit 3:6, 1:6 verloren. „Sie hat nicht ihr bestes Tennis gespielt“, sagt Eberhard.

So schlecht haben deutsche Spielerinnen noch nie in Wimbledon abgeschnitten. „Das Ergebnis ist ernüchternd“, sagt der Fedcup-Chef. Dennoch will Eberhard nicht hinnehmen, dass es mit den Leistungen der deutschen Spielerinnen immer schlimmer wird. „Und was war in Paris?“, fragt der Fedcup-Chef. Bei den French Open scheiterte Marlene Weingärtner erst im Achtelfinale an der Russin Maria Scharapowa. Anna-Lena Grönefeld musste dort in der zweiten Runde aufgeben, nachdem sie nach einem Spagat umgeknickt war. „In Paris hat jede ihr Potenzial ausgereizt“, sagte Eberhard.

In Wimbledon hat man von Potenzial nicht viel gesehen. Das Fedcup-Team kämpft Mitte Juli in Odessa gegen den Abstieg in die Drittklassigkeit. Dazu wird Eberhard wohl auf die 31-jährige Barbara Rittner setzen, die in Wimbledon in der Qualifikation gescheitert war. Zu den schwachen Leistungen kommt noch eine schlechte Nachricht. Die German Open in Berlin, das beste Damentennisturnier in Deutschland, muss verkauft werden (siehe nebenstehenden Bericht) und soll in Zukunft nur noch als T-2-Turnier stattfinden. Es werden in Zukunft nicht mehr die ganz großen Namen in Berlin antreten. „Im Moment wäre das kein großer Rückschritt“, glaubt Eberhard, „bei einem T-2-Turnier sind immer noch genug Weltklassespielerinnen am Start.“ Bei den gegenwärtigen Leistungen ist es bei einem herabgestuften Turnier sogar wahrscheinlicher, dass die deutschen Spielerinnen ein paar Runden weiterkommen.

Klaus Eberhard bleibt noch ein bisschen in Wimbledon. „Ich werde noch Barbara Rittner beobachten, die spielt hier noch im Doppel.“ Am Donnerstag fliegt er dann zurück. Für die Ereignisse vom Dienstag hat er eine kurze Empfehlung. „Die müssen wir ganz schnell vergessen.“

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