Sport : Heimkehr mit Zweifeln

Lewis Hamilton vor dem Grand Prix in Silverstone

Karin Sturm[Silverstone]

Es ist sein Heim-Grand-Prix. Natürlich ist er ihm besonders wichtig. Er weiß, dass die Fans in erster Linie nur seinetwegen nach Silverstone kommen – und er bittet sie noch extra um Unterstützung: „Steht zu mir!”, bat Formel-1-Pilot Lewis Hamilton vor seinem englischen Heimrennen an diesem Wochenende, nachdem er Anfang der Woche schon einmal geunkt hatte: „Ich hoffe, man bewirft mich angesichts meiner jüngsten Fehler nicht gleich mit Tomaten.“ Die britischen Rennfans aber freuen sich auf ihren Helden, zumal sie den Abschied von der traditionsreichen Strecke Silverstone verkraften müssen: Formel-1-Boss Bernie Ecclestone verkündete, der Große Preis von Großbritannien werde ab 2010 im nordenglischen Donington ausgetragen.

Mit Hamilton sorgt sich nun ein englischer Nationalheld um die Liebe seiner Landsleute. Im Spätherbst vorigen Jahres zog Hamilton, nicht zuletzt auf Anraten seines Vaters Anthony, aus England in die Schweiz. Um „mehr Ruhe zu haben“, wie es offiziell hieß – und aus Steuergründen. Nach eigener Aussage fühlt sich der 23-Jährige dort sehr wohl. Aber es gibt immer wieder auch Gerüchte, Hamilton sei in der Nähe des Genfer Sees doch sehr einsam, habe keine Freunde und verbringe seine Zeit hauptsächlich mit Computerspielen.

Kein echtes Zuhause in der Schweiz, auch keines mehr in England. Dafür zwischen den Rennen immer wieder PR-Events, vom Geburtstagkonzert für Nelson Mandela in London über eine Segelregatta auf dem Boot eines Sponsors bis zu Auftritten bei Kampagnen für einen neuen Werbepartner – das alles sind nur ein paar der Termine zwischen Magny Cours und Silverstone. Dass dabei ein 23-Jähriger, der nebenher auch noch jedes zweite Wochenende im Formel-1-Auto Höchstleistungen bringen soll, schon einmal die Orientierung verlieren könnte, nicht mehr so recht weiß, wo er eigentlich hingehört, wäre kein Wunder. „Es ist einfach schade, dass die Leute den wahren Lewis Hamilton nicht kennen. Sie kennen nur die Version, die ihnen von den Medien präsentiert wird“, sagt Hamilton. „Ich habe im vergangenen Jahr gemerkt, dass man sich noch so sehr Gedanken über sein Image machen kann, aber man kann nicht kontrollieren, was die Leute schreiben.“

Umso mehr versuchte er schon vor dem Rennwochenende, Heimatnähe zu demonstrieren, ließ sich etwa für ein Magazin vor einer riesigen britischen Flagge fotografieren. Gesten wie diese sind sorgfältig geplant.Wenn Hamilton aber einmal etwas spontan selbst entscheidet, dann lässt man ihn nicht: Als Jenson Button, der kürzlich einen Triathlon bestritten hatte, Hamilton öffentlich in dieser Disziplin herausforderte und versprach: „Wenn du gewinnst, spende ich 10 000 Pfund für einen wohltätigen Zweck“, nahm Hamilton an. Eine Stunde später erklärte Vater Anthony in einem zweizeiligen Statement, dass Lewis das nicht dürfe, er solle sich „auf die WM konzentrieren“.

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