Sport : Heimlich ein Bayern-Fan

Albas Kroate Matej Mamic ist einer der neuen Leistungsträger der Basketballer

Helen Ruwald

Berlin - Seinen neuen Bekannten hat Matej Mamic eines lieber nicht verraten, als er am Mittwochabend im Olympiastadion Herthas Spiel gegen Borussia Dortmund sah: Er ist Bayern-Fan. Der neue Flügelspieler des Basketball-Bundesligisten Alba lernte im Stadion seine kroatischen Landsleute Josip Simunic und Niko Kovac vom Berliner Fußball-Bundesligisten kennen. „Sie haben mir Hilfe angeboten. Ich soll mich melden, wenn ich etwas brauche“, erzählt der 29-Jährige. Sein Vater hat 30 Jahre in München auf einer Baustelle gearbeitet und seinem Sohn bei den Heimatbesuchen Fanartikel mitgebracht – die Liebe zum FC Bayern ist geblieben, in Zagreb wie in Berlin.

Der gesperrte Kovac und der verletzte Simunic mussten auf der Tribüne Herthas Niederlage gegen Dortmund verfolgen. Flügelspieler Mamic hingegen, der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft, führte Alba in den ersten beiden Bundesligaspielen zu Siegen gegen Oldenburg (17 Punkte/10 Rebounds) und in Gießen (12/4). Trainer Emir Mutapcic fordert von Mamic nur eins: „Ich erwarte, dass er so weiterspielt wie bisher.“ Gegen Gießen gelangen Mamic drei Dreipunktewürfe, zwei davon, „als wir zurück lagen. Durch diese Dreier sind wir wieder ins Spiel gekommen“, sagt Mutapcic anerkennend. Die Wertschätzung ist gegenseitig. „Mutapcic ist einer der besten Spieler“, sagt Mamic – so, als habe Mutapcic mit Jugoslawien erst gestern WM-Bronze gewonnen und nicht 1986.

Im Sommer verließen acht Spieler den kroatischen Meister Cibona Zagreb, auch für Kapitän Mamic war es an der Zeit, in seinem Leben „etwas zu ändern“. Weil er hörte, dass Alba „zu den drei Klubs in Europa zählt, die am besten organisiert sind“, zog er mit seiner Frau, seinem drei Monate alten Sohn und der fünfjährigen Tochter nach Berlin – die siebenjährige Tochter lebt vorübergehend bei den Großeltern in Zagreb, um dort weiter in die Schule gehen zu können.

Mamic wurde vergangene Saison als bester Verteidiger der kroatischen Liga ausgezeichnet und hat jahrelang Erfahrung in der Europaliga gesammelt, die er als ältester Alba-Spieler an die Kollegen weitergeben soll. „Ich werde versuchen, den Jüngeren ein Vorbild zu sein“, sagt er bescheiden, lehnt einen Vergleich mit seinem Vorgänger Henrik Rödl aber ab, der nach seinem Karriereende nun als Kotrainer bei Alba arbeitet. „Henrik ist seit elf Jahren bei Alba und in Deutschland ein Star. Er kann mir helfen und mir sagen, was ich zu tun habe.“

Gemeinsamkeiten gibt es durchaus: Wie Rödl ist Mamic ein Mannschaftsspieler, der nicht selbst brillieren will, wie der eine oder andere Alba-Profi in der vergangenen Saison. „Er zeigt Einsatz wie kein anderer“, sagt Spielführer Mithat Demirel. Kotrainer Burkhardt Prigge sieht Mamic gewissermaßen als eine Mischung aus Rödl und dem nach Spanien gewechselten Vladimir Petrovic, „er ist umsichtig und clever in der Verteidigung, aber auch stark im Angriff und macht Körbe, wenn er muss“. Morgen beim Bundesligaspiel in Braunschweig hat Matej Mamic dazu die nächste Gelegenheit.

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