Heimniederlage : Der Torwart trifft auch nicht

Hertha BSC kämpft beim 1:2 gegen Schalke bis zum Schluss, hat viele Chancen und bleibt doch punktlos.

Claus Vetter
Jaroslav Drobny
Herthas Keeper Drobny am Boden. -Foto: dpa

Berlin - Kurz vor dem Ende versuchte sich auch der Torwart als Torjäger. Vergebens. Außer einer Beule, die sich Jaroslav Drobny ausgerechnet bei einem Zusammenprall mit seinem Schalker Torwartkollegen Manuel Neuer zuzog, blieb der Ausflug des Torwarts von Hertha BSC in den gegnerischen Strafraum ergebnislos. Genauso wie die energischen Bemühungen von Drobnys Mitspieler André Lima. Der Stürmer hatte immer wieder mit rudernden Armen die Fans des Berliner Bundesligisten aufgefordert, seine Mannschaft zu unterstützen. Die Fans brüllten zwar laut, doch Hertha verlor trotzdem. Ein Elfmetertor von Sofian Chahed reichte am Ostersonntag vor 54 000 Zuschauern im Olympiastadion Hertha nicht, um einem interessanten Spiel die verdiente Wende zu geben. Weil Drobny bei einem von zwei Gegentoren unglücklich aussah, weil Lima beim Fußballspielen nicht so zielgerichtet arbeitete wie bei seinen Animationsversuchen, und weil Hertha letztlich wieder zu selten den Ball im Tor unterbringen konnte.

Ohne Marko Pantelic klappte es bei Hertha beim 1:2 gegen keineswegs berauschend aufspielende Schalker zwar nicht richtig mit dem Toreschießen, dafür aber demonstrierten die Berliner auch ohne ihren serbischen Star attraktiven Fußball. Umso größer war bei den Verlierern die Enttäuschung über das Resultat. „Die ersten 25 Minuten haben wir verschlafen und Schalke zwei Tore geschenkt“, sagte Verteidiger Josip Simunic. „Danach hatten wir so viele Chancen, dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen.“

Gewinnen müssen? So oder so ähnlich wie Herthas Verteidiger Simunic äußerten sich bei den Berlinern einige Spieler nach einem flotten Spiel, in dem nur die ersatzgeschwächten Schalker wussten, wie man gewinnt. Mit Toren: Das erste köpfte Gerald Asamoah, das zweite schoss Jermaine Jones nach einem Sololauf von der Mittellinie. Eskortiert wurde er dabei vom hilflosen Berliner Raffael, der den Ball zuvor an Jones verloren hatte. Über das zweite Gegentor regte sich Lucien Favre schließlich ausgiebig auf. „So etwas darf nicht passieren“, schimpfte Herthas Trainer, „so ein Tor zu kassieren, das ist unglaublich.“ Immerhin freute sich der Schweizer dann über die Reaktion seiner Mannschaft, die für ihren Einsatz „mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte“. Daraus wurde aber nichts, es reichte für Hertha dank Chaheds verwandeltem Elfmeter – Benedikt Höwedes hatte Gojko Kacar im Strafraum behindert – nur zum 1:2. Was immerhin ein historischer Moment war: Als erster Spieler aus Herthas aktuellen Kader hat Chahed ein Tor gegen Schalke geschossen. Als wichtige Erkenntnis konnten die Berliner dann immerhin aus dem Spiel gegen Schalke mitnehmen, „dass wir eine Mannschaft haben, die nicht so schnell aufsteckt“, wie Manager Dieter Hoeneß sagte. Zudem zeigte der agile, trickreiche Gojko Kacar einmal mehr, dass er künftig noch wertvoll für Herthas Zukunft werden könnte. Ähnliches gilt für den jungen Schweizer Fabian Lustenberger.

Anderes war dagegen bei Hertha gegen Schalke wieder einmal nicht Fußballwelt bewegend. Die Freistöße von Patrick Ebert etwa, der dann auch nicht mehr der Mann für Situationen mit dem ruhenden Ball ist. „Er hat momentan Probleme mit den Standards“, gab Favre Auskunft. Die größten Probleme allerdings hat Hertha mit dem Abschluss. 15 zu 7 lautete das Torschussverhältnis gegen Schalke zugunsten der Berliner. „Heute hätten wir Marko gut gebrauchen können“, fand Elfmetertorschütze Chahed. Manager Hoeneß gab sich immerhin zuversichtlich, dass Herthas Torjäger nach überstandener Wadenentzündung am kommenden Sonntag in Cottbus wieder spielen kann – anders als sein Kollege Simunic, der gegen Schalke die fünfte Gelbe Karte sah. Denn Hertha ohne Marko Pantelic, das geht kaum, wenn Hertha mal wieder gewinnen will.

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