Heimspiel gegen Schalke 04 : Hertha BSC spielt in einer anderen Dimension

Hertha BSC lässt in dieser Saison Klubs hinter sich, die eigentlich außer Reichweite sind – zum Beispiel den heutigen Gegner Schalke 04. Dabei liegen die Gelsenkirchener in allen Vergleichszahlen vorne.

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Zahlen, bitte: Hertha BSC und Schalke 04 im direkten Vergleich.
Zahlen, bitte: Hertha BSC und Schalke 04 im direkten Vergleich.Grafik: Tsp/Bartel

Anfang der Woche hat Hertha BSC einen großen Erfolg verkünden können. Wobei die Meinungen auseinandergehen, wie groß der Erfolg wirklich war. Die einen behaupten, es habe vier Minuten gedauert, ehe auch die letzten Karten für das Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund verkauft waren; andere Quellen sprechen sogar nur von dreieinhalb Minuten. Wie dem auch sei: Eine neue Erkenntnis ist es nicht, dass in Berlin vor allem das Besondere zieht.

Man könnte jetzt herrlich darüber streiten, was denn eigentlich besonderer ist: dass der Erstligist Hertha vier Zweitligisten besiegt hat und auf diese Weise ins Halbfinale des DFB-Pokals vorgestoßen ist? Oder dass der mutmaßliche Abstiegskandidat Hertha nach drei Vierteln der Saison in der Fußball-Bundesliga immer noch auf einem Champions-League-Platz liegt? Die Abstimmung mit den Füßen hat diese Frage eindeutig beantwortet. Während die Stadt wegen des Pokalspiels gegen den BVB schon in heller Aufregung ist, haben Herthas konstant gute Leistungen in der Liga so gut wie keinen Effekt auf den Zuschauerzuspruch gehabt. Zumindest keinen positiven. Zu den bisherigen zwölf Heimspielen sind im Schnitt sogar 2000 Zuschauer weniger gekommen als gegen dieselben Klubs im Vorjahr.

Für heute Abend (Spielbeginn 20:30 Uhr), wenn Schalke 04 im Olympiastadion gastiert, rechnet Hertha mit ungefähr 50 000 Zuschauern. Trotz des ungünstigen Freitagabendtermins wird der Zuspruch der Bedeutung des Spiels in keiner Weise gerecht. Es spielt der Dritte gegen den Vierten; an jedem anderen Bundesligastandort wäre es vermutlich schwer, überhaupt noch an eine Karte zu kommen. In Berlin ist das anders. Hertha, der Klub aus der größten Stadt des Landes und mit dem drittgrößten Stadion, liegt in der Zuschauertabelle aktuell auf Platz neun. Auch das ist kein völlig neues Phänomen. Schon Dieter Hoeneß hat immer wieder neidvoll auf andere Bundesliga-Standorte geblickt. Von ihm stammt die Aussage: „Wenn in Schalke das Flutlicht angeschaltet wird, kommen schon 40 000 Leute.“ In Berlin muss schon ein bisschen mehr passieren.

Mit  Schalke kann sich Hertha ohnehin nicht messen. Das heutige Spiel um Platz drei ist eigentlich in jeder Hinsicht ein ungleiches Duell (siehe Grafik). Nachdem beide Klubs um die Jahrtausendwende noch auf einem ähnlichen Niveau unterwegs waren, haben sich die Machtverhältnisse inzwischen deutlich zugunsten der Schalker verschoben. In den vergangenen zwölf Jahren stand der S04 am Saisonende nur einmal schlechter da als Hertha (2008/09), und der letzte Berliner Sieg datiert vom September 2006. Auch in allen anderen Belangen ist Schalke weit voraus – nur in der aktuellen Tabelle nicht. Da liegen sie immer noch einen Platz und einen Punkt hinter Hertha. Trotzdem sagt Trainer Pal Dardai: „Schalke ist eine andere Dimension, vom Budget her und vom Personal.“

Hertha bietet teilweise mehr Gehalt als Konkurrenten

Hertha misst sich eher mit Mainz 05 oder auch Borussia Mönchengladbach – selbst wenn die Gladbacher in den vergangenen vier Jahren drei Mal international gespielt haben. Die Unterschiede im Gehaltsniveau sind nicht so riesig, wie es die sportliche Performance in der jüngeren Vergangenheit vermuten ließe. Als André Hahn vor zwei Jahren aus Augsburg nach Mönchengladbach gewechselt ist, hat Hertha ihm sogar ein höheres Grundgehalt geboten als die Borussia. Auf der anderen Seite haben die Gladbacher ihr Interesse an Salomon Kalou nicht weiterverfolgt, nachdem sie von dessen Gehaltsvorstellungen (drei Millionen Euro netto) erfahren hatten. Doch selbst das ist noch bescheiden im Vergleich zu dem, was bei den Schalkern gezahlt wird. Deren Spitzenverdiener Klaas-Jan Huntelaar soll sieben Millionen Euro im Jahr bekommen.

Angesichts der ungleichen Startbedingungen erstrahlt Herthas Leistung in dieser Saison in noch hellerem Licht. „Die Mannschaft spielt eine herausragende Saison bisher“, sagt Manager Michael Preetz. „Niemand konnte damit rechnen, dass wir zu diesem Zeitpunkt so erfolgreich dastehen.“ Hertha hat Konkurrenten hinter sich gelassen, die für den Klub eigentlich außer Reichweite sind. Neben Schalke gilt das auch für den Vizemeister VfL Wolfsburg oder den Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen. In Berlin wissen sie das sehr wohl richtig einzuschätzen. Pal Dardai hat immer wieder gesagt: „Wir sind da oben, weil die großen Mannschaften Fehler gemacht haben.“

Wenn man den Unterschied zwischen Hertha und Schalke beziffern will, kann man in vielen Kategorien den Faktor drei nehmen: beim Umsatz, beim Spieleretat, beim Marktwert des Kaders. Doch auch wenn die Verhältnisse in der Bundesliga durch die ungleiche Finanzverteilung weitgehend zementiert sind: In jüngerer Vergangenheit hat es immer wieder Vereine gegeben, die punktuell in die Spitze vorstoßen konnten: Eintracht Frankfurt, SC Freiburg, FC Augsburg – oder jetzt eben Hertha BSC. Auch wenn das vielleicht nicht von Dauer ist, spricht nichts dagegen, die Gunst der Stunde zu nutzen. „Wir müssen jetzt dran bleiben“, sagt Pal Dardai. „Wenn wir gegen Schalke gewinnen, kann am Ende was ganz Schönes rauskommen.“

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