Sport : Heimspiel mit Halbpension

Beim 1:2 gegen Manchester United überzeugt Bayer Leverkusen erst in den zweiten 45 Minuten – zu spät

NAME

Von Erik Eggers

Leverkusen. Der Empfang war düster. „Wir haben keine Chance“, rief der Stadionsprecher in der Leverkusener Bayarena dem zahlenden Publikum zu. Und als die Heimmannschaft am Dienstagabend auf den Rasen lief, tönte ein Hit der Rockband „AC/DC“ aus den Lautsprechern: „Highway to hell“ (Autobahn zur Hölle). Vielleicht sollte es Ironie sein, etwas Aufmunterung im düsteren Fußball-Alltag von Bayer Leverkusen. Doch nach dem ersten Heimspiel in der Champions League gegen Manchester United sieht es noch schlechter aus. Die Gäste gewannen 2:1 (2:0) und nahmen damit Revanche für das Ausscheiden gegen Leverkusen in der vergangenen europäischen Fußball-Saison. Ruud van Nistelrooy schoss beide Tore für Manchester, Dimitar Berbatow erzielte den Anschlusstreffer. Die Leverkusener Fans quittierten die Niederlage dennoch mit Applaus. Das Team hatte gekämpft. Und eine Niederlage war schließlich erwartet worden.

Immerhin war Bayer Leverkusen couragiert in das Spiel gegangen. Angefeuert von den Fans rannten Stürmer Oliver Neuville und seine Kollegen gegen die Abwehr von Manchester und gegen ihren schlechten Saisonstart an. Vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften Bayarena versuchte die junge Mannschaft, sich Feldvorteile in der englischen Hälfte zu erkämpfen. Doch selten musste Manchesters Torwart Fabian Barthez eingreifen. Nur bei einem Volleyschuss von Thomas Brdaric warf er sich dem Ball entgegen und hielt ihn vom Tor fern. Es war Leverkusens gefährlichste Szene in der ersten Spielhälfte – sie geschah nach einer guten halben Stunde Spielzeit. Doch da war schon das erste Tor gefallen.

Dem im bisherigen Verlauf der englischen Fußball-Saison kaum auffälligen Juan Sebastian Veron war es vorbehalten, den ersten Treffer einzuleiten. Auf der linken Angriffsseite kam er frei zum Flanken. Der Ball flog hoch in den Leverkusener Strafraum, eigentlich lange genug für Hanno Balitsch, um ihn wegzuköpfen. Doch der 21-jährige Abwehrspieler unterlief die Flanke, so dass van Nistelrooy aus vier Metern Torentfernung die hohe Kunst des Stürmens öffentlich vorführen konnte: Ball annehmen, Torwart täuschen, einschießen, jubeln.

Kurz vor der Halbzeitpause drehte van Nistelrooy ein weiteres Mal mit hochgerissenene Armen in Richtung Eckfahne ab – hin zu den mitgereisten englischen Fans, die den Torschützen mit „Ruud“-Sprechchören feierten. Am Ende einer unergiebigen Halbzeit für Bayer Leverkusen hatte er gemeinsam mit Ryan Giggs und Nicky Butt die Abwehr der Heimmannschaft ausgestochen. Drei Kurzpässe reichten, um die unsichere Dreierformation um den zuweilen unsicheren Kapitän Carsten Ramelow auszuspielen. 0:2 – für Bayer schien alles verloren.

Und dennoch klatschte das Publikum zur Aufmunterung im Takt. Und dennoch sagte Bayers Manager Reiner Calmund voller Elan auf der Tribüne: „Die Jungs spielen anständig. Die jungen Leute machen einen guten Job.“ Das sollten sie noch beweisen.

Die zweite Spielhälfte begann dann so wie die erste: Leverkusen rannte an. Doch zwei Dinge waren anders als zuvor. Erstens: Manchester konterte nicht mehr. Das lag vor allem daran, dass van Nistelrooy in der Kabine blieb. Manchester wollte sich offenbar auf dem Vorsprung ausruhen. Und zweitens: Leverkusen hatte endlich Erfolg. Ein kurzer Pass des quirligen, aber bis dahin glücklosen Yildiray Bastürk in den Strafraum konnte der für den verletzten Neuville eingewechselte Dimitar Berbatow zum Schuss nutzen. Tor – und plötzlich Hoffnung.

Trainer Klaus Toppmöller ging nun auf Risiko. Der lange verletzte Jan Simak kam in die Formation, um das Angriffsspiel anzutreiben. Doch so sehr alle Spieler anrannten und die Abwehr der Gäste zurückdrängten – es sollte nicht sein. Entweder es fehlte am letzten genauen Pass oder es mangelte schlicht am Glück. Und als wenige Minuten vor dem Schlusspfiff ein letzter Kopfball Berbatows aus fünf Metern Torentfernung an den Innenpfosten klatschte und von dort zurück ins Feld sprang, war das Spiel gelaufen.

Bayer hatte aber auch Glück. Es profitiert vom 3:0-Sieg Haifas gegen Piräus und ist weiter im Rennen. Es gibt noch viel zu tun.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben