Sport : Heimvorteil für de la Rosa und Gené

Karin Sturm

Umgeben von Kameras und Mikrofonen, Hauptpersonen auf den Werbeplakaten für den Grand Prix, gesucht und umlagert von den Fans - für viele Formel-1-Piloten ein normales Bild. Nicht der Rede wert also? In diesem Fall schon. Denn für Pedro de la Rosa und Marc Gené ist so eine Situation die Ausnahme. Genauso wie der kurze Weg von ihrer Wohnung zur Rennstrecke: Nur etwa zehn Minuten haben die Spanier zu ihrem Arbeitsplatz zu fahren. Ein echter Heim-Grand-Prix, beide stammen aus Barcelona. Sonst stehen sie immer im Schatten der Großen, hier sind sie die Stars. Auch wenn sie gestern beim freien Training eher Statisten waren.

Dennoch - was die beiden, denen man anfangs nachsagte, nur durch Hilfe dicker Geldsäcke ihrer Sponsoren in die Formel 1 gekommen zu sein, inzwischen aus ihren Möglichkeiten machen, ist bemerkenswert. Wobei der 29-jährige Pedro de la Rosa mit dem Arrows, einem der Überraschungs-Autos der Saison, technisch die besseren Voraussetzungen hat. Hier in Barcelona, wo die Arrows bei den Wintertests mit einer Bestzeit nach der anderen verblüfften, rechnet sich de la Rosa einiges aus. Dass er selbst schneller ist, als viele zu Beginn dachten, hat er in diesem Jahr schon mehrfach bewiesen, so als er im Training schneller war als sein Teamkollege Jos Verstappen. Und der Holländer wird ja nun wirklich nicht gerade zu den Langsamen in der Formel 1 gezählt.

Was zu guten Ergebnissen bis jetzt noch fehlt, ist Standfestigkeit des Autos. "Da arbeiten wir dran, und erst, wenn wir das erreicht haben, können wir daran gehen, das wahre Potenzial des Autos auszuloten." Eine Arbeit, auf die sich der Spanier schon freut: "Ich nehme den Rennsport sehr ernst - und ich habe absolut nichts dagegen, hart zu arbeiten. Manche Fahrer mögen es langweilig finden, stundenlang irgendwelche Daten auszuwerten. Aber ich habe mich nie auf mein Talent allein verlassen."

Marc Gené hat es mit dem nur mäßig konkurenzfähigen Minardi noch schwerer, sportliche Glanzlichter zu setzen. Aber in einem sticht er aus der Masse der Formel-1-Piloten weit heraus: mit seiner Intelligenz und Bildung. Äußerst eloquent und sicher im Auftreten, kann er sich in fünf verschiedenen Sprachen perfekt ausdrücken - und hat ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an einer der renommiertesten Universitäten der Welt abgeschlossen, in Oxford. "Ich habe bei meinem Bruder Jordi gesehen, wie unsicher eine Rennsport-Karriere ist und wollte deshalb auch immer eine ordentliche Berufsausbildung haben." Kurz bevor er im vergangenen Jahr seinen Minardi-Vertrag unterschrieb, arbeitete er auch einige Zeit für ein Buchhaltungs-Unternehmen. Gené: "Jeden Morgen bin ich in Anzug und Krawatte zur Arbeit gefahren und habe relativ wenig verdient. Da habe ich schon gehofft, dass es mit einem Job in der Formel 1 klappt."

Marc Gené schaffte es. Im Gegensatz zu seinem Bruder. Über Jordi sagt Marc: "Er ist der talentierteste Fahrer, den Spanien je hatte. Er war in der Formel 3000 sehr gut - aber um in die Formel 1 zu kommen, muss man im richtigen Moment am richtigen Ort sein. Und das Glück hatte er nicht." So fährt Jordi Gené an diesem Wochenede im Rahmenprogramm zum GP im Porsche-Cup, während Marc um seinen zweiten Formel-1-Punkt - nach Platz sechs am Nürburgring im vergangenen Jahr - kämpft.

Zur absolut höchsten Popularität in Spanien sind Marc Gené und Pedro de la Rosa im Moment immer noch mit zwei Rädern zu viel unterwegs - der Motorrad-Rennsport schlägt hier die Formel 1 im Zuschauer-Interesse immer noch um Längen. Aber Marc Gené ist zuversichtlich, dass sich das ändern wird: "Pedro und ich werden besser und besser, auch unsere Ergebnisse - und damit steigt die Popularität unseres Sports. Ich glaube, dass da in der Zukunft in Spanien noch ein großes Potenzial vorhanden ist. Im Gegensatz zum Motorrad-Bereich."Formel 1 im im Internet

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