Heinemann und Wosz : Zeit für alte Bochumer Helden

Beim VfL Bochum springen Frank Heinemann und Dariusz Wosz nach der Entlassung Marcel Kollers als Trainer ein

Richard Leipold[Bochum]
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Helm auf zum Amtsantritt. Dariusz Wosz und Frank Heinemann.Foto: firo

Am Zaun des Trainingsgeländes hängt ein großes Werbeplakat. Mit dem Slogan „Zeit für neue Helden“ weist der VfL Bochum auf das DFB-Pokal-Spiel gegen den FC Schalke 04 hin. Illustriert wird die Ankündigung durch die beiden Bochumer Mannschaften, die 1968 und 1988 im Pokalfinale gestanden haben. In der vorderen Reihe ist ein schmächtiger blonder Mann zu sehen, der immer noch beim VfL angestellt ist. Frank Heinemann, Mitglied der Mannschaft, die 1988 in Berlin der Frankfurter Eintracht unterlag. Wenige Meter entfernt im Medienzentrum des Fußball-Bundesligavereins sitzt Heinemann leibhaftig auf dem Podium und stellt zutreffend fest, er habe sich „gar nicht verändert“. Noch immer hat er die Figur eines Leitungssportlers und dieses jungenhafte Gesicht. Geändert hat sich allerdings seine Position. Seit Sonntag ist Heinemann neuer Cheftrainer des VfL. Er tritt, zumindest für ein paar Tage, die Nachfolge Marcel Kollers an, der wegen einer sportlichen und atmosphärischen Krise entlassen worden ist. Als Kotrainer bekommt Heinemann den früheren Mittelfeldstrategen und aktuellen U-19-Trainer Dariusz Wosz zur Seite gestellt. Zeit für alte Helden mit neuer Aufgabe.

Weil der Bundesliga-Vorletzte schon an diesem Dienstag im Pokal antreten muss, kam für die Verantwortlichen nur eine interne Lösung in Frage. „Wir haben nicht lange überlegen müssen, wen wir an die Front stellen“, sagt Sportvorstand Thomas Ernst. Heinemann ist ein Bochumer Urgestein, der frühere Verteidiger gehört seit 33 Jahren demselben Verein an. Seit dem Ende seiner Karriere hat er unter sieben verschiedenen Trainern als Assistent gearbeitet, zuletzt unter Koller. Nie ist er selbst gefragt worden, wenn die Stelle des Cheftrainers vakant war. Dennoch sei es ihm jetzt, nach 13 Jahren, eine Ehre, diese Möglichkeit zu bekommen, sagt Heinemann. Auch wenn er wohl nur übergangsweise aufgerückt ist, geht er die Aufgabe entschlossen, selbstbewusst und mit Spaß an. „Ich bin Frank Heinemann und trage jetzt die Verantwortung“, sagt er.

Heinemann wird entscheiden, wer spielt. Und Wosz wird ihm dabei helfen. Während Heinemann immer den Typus Fußballarbeiter verkörpert hat, assoziieren die Fans des VfL mit Wosz die kurzen Glanzzeiten, in denen ihr Klub die internationale Bühne betrat. Heinemann fällt die Rolle des Strategen zu, Wosz soll dem Neuanfang ein Gesicht geben und dem Trainerteam Konturen verleihen, die vielleicht sogar die nächsten Gegner beeindrucken. In der Bundesliga muss Bochum am Freitag beim 1. FC Nürnberg antreten. Danach will der Vorstand möglichst rasch eine dauerhafte Lösung präsentieren. „Wir suchen einen neuen Cheftrainer, daran wird sich auch nach dem Spiel gegen Schalke nichts ändern“, sagt Ernst. Über das Anforderungsprofil wolle er sich öffentlich nicht äußern. Als sicher gilt aber, dass der neue Trainer eine andere Mentalität besitzen muss als der introvertierte Koller. Der Schweizer hatte Bochum 2006 in die Bundesliga geführt und seither dreimal vor dem Abstieg bewahrt, ist seiner distanzierten Art wegen bei den meisten VfL-Fans aber nie angekommen.

Ernst hat sein Augenmerk nicht nur auf die üblichen Verdächtigen gerichtet, zu denen wie immer Mirko Slomka zählt und neuerdings auch Mike Büskens, die sich beide in Schalke nicht haben durchsetzen können. Büskens wollte das Thema Bochum nicht kommentieren. „Wenn ich sage, es reizt mich, schüre ich Spekulationen, wenn ich sage, es reizt mich nicht, halten mich die Leute für bescheuert.“ Jedenfalls werde er nicht zum Pokalspiel gehen. Viele Fans hingehen schon, um vielleicht für ein paar Stunden wieder so etwas wie das Bochumer Fußball-Familienidyll zu erleben. Dafür stehen Männer wie Heinemann und Wosz, der eine als Pokalfinalist, der andere als Europacupteilnehmer. Die Partie gegen Schalke kommt ihnen, bei allen Schwierigkeiten, gelegen. „Das ist eine Riesenchance“, sagt Heinemann.

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