Heiner Brand über die Handball-WM : „Das Achtelfinale ist Pflicht“

2007 führte Heiner Brand die deutschen Männer zum Weltmeistertitel. Diesmal ist der frühere Bundestrainer weniger optimistisch.

Heiner Brand
Keiner wie Heiner. DHB-Manager Brand ist das Gesicht des deutschen Handballs.
Keiner wie Heiner. DHB-Manager Brand ist das Gesicht des deutschen Handballs.Foto: dapd

Der im Vergleich zur WM 2011 veränderte Modus mit direkter K.-o.-Phase nach der Vorrunde und ohne lästige Zwischenrunde bietet viele Möglichkeiten für unsere Mannschaft. Umso wichtiger ist es, dass sie sich in der Gruppenphase eine ordentliche Ausgangsposition für das Achtelfinale verschafft. Wenn wir das erst einmal überstanden haben, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass wir bei guter Tagesform und mit ein bisschen Glück auch im Viertelfinale weiterkommen können. Zunächst einmal muss man aber abwarten, wie das Team ins Turnier findet, das ist schon eine besondere Drucksituation.

Zu Pessimismus besteht allerdings kein Grund. Die Mannschaft hat in der Vorbereitung vorbildlich miteinander kommuniziert, die Stimmung ist gut, das ist im Vorfeld solcher Wettbewerbe aber auch völlig normal. Die spannende Frage ist, ob das während des Turniers so bleibt. Außer Frage steht, dass wir geschlossen auftreten und mit vollem Einsatz spielen müssen, wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen – das sollte jedem Einzelnen bewusst sein. Martin Heuberger ist ja nach all den Absagen und Verletzungen quasi zu einem personellen Schnitt gezwungen worden, den es in dieser Art und Weise sonst sicherlich nicht gegeben hätte. Er hatte gar keine andere Wahl, als viele Neulinge zu nominieren.

Auf jeden Fall kann ich unsere WM-Debütanten beruhigen. Dass sie vor ihrem ersten großen Turnier nervös sind, kann ich vollends nachvollziehen. Das ging mir selbst bei meinem letzten Turnier als verantwortlicher Bundestrainer noch so. Wenn man diese Anspannung, diese Nervosität nicht spürt, kann man schließlich auch keine richtige Einstellung zur Sache entwickeln. Ich bin überzeugt davon, dass unsere jungen Spieler die Qualität mitbringen, sich auf internationaler Bühne zu behaupten, die Mannschaft ist auf einem guten Weg. Obwohl die Ziele so vorsichtig formuliert sind wie seit Jahren nicht mehr, müssen wir jedoch mindestens den Einzug ins Achtelfinale schaffen, das ist Pflicht. Aufgezeichnet von Christoph Dach

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