• Heinz-Harald Frentzen zählt zu den Stars der Saison - Ralf Schumacher kämpft um Anerkennung

Sport : Heinz-Harald Frentzen zählt zu den Stars der Saison - Ralf Schumacher kämpft um Anerkennung

Hartmut Moheit

Was haben Franz Beckenbauer, Carl Lewis, George Foreman und Heinz-Harald Frentzen gemeinsam? Seit vergangener Woche können die Wiener eine Antwort darauf geben: Die Hand- und Fußabdrücke dieses Quartetts sind - ähnlich wie auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles - neben denen weiterer Sportstars auf der "Straße der Sieger" verewigt. Eine Zusammensetzung, die zunächst nicht logisch erscheint, denn schließlich hat der Deutsche aus der Formel-1-Branche noch keine außergewöhnlichen Meriten aufzuweisen. 91 Grand-Prix-Starts seit Brasilien 1994 kann er aufführen, dabei zwei Erfolge und den achten Rang in der WM-Wertung 1996. "Ich bin zwar nicht besonders scharf auf öffentliches Schulterklopfen, aber ein Siegertyp bin ich bestimmt", findet Frentzen selbst die Ehrung nicht übertrieben.

Und auch die Fans in Hockenheim haben ihre Meinung über den Mönchengladbacher etwas revidiert. Der 32 Jahre alte Mönchengladbacher im gelben Jordan hat sich offensichtlich in ihre Herzen gefahren. Durch die Abwesenheit von Michael Schumacher ist Frentzen plötzlich in jenes Licht gerückt, in das er schon längst gehört hätte. "Na ja, ein Ersatzheld bin ich dennoch nicht. Die Fans wissen doch ganz genau, dass ich nicht um die Weltmeisterschaft fahre", sieht er den neuen Status ein wenig differenzierter. Obwohl er mit 33 WM-Punkten, sieben Platzierungen in den Punkterängen, zu den Stars in dieser Saison zählt. Als Dritter der Gesamtwertung hat er nach Hockenheim schon Michael Schumacher (32 Punkte) überholt.

Kritiker werfen Frentzen zwar vor, er sei auf der Rennstrecke ein zu netter Typ, aber er kontert stets mit dem Satz: "Ich bin keiner, der andere beim Überholen abschießt." Das haben offenbar auch die Fans erkannt, ebenso, dass er der freundliche, aufgeschlossene Typ geblieben ist. Dabei war Frentzen bereits auf dem absteigenden Ast, als er im Williams zum "Loser" abqualifiziert wurde. "Die Jahre dort waren sehr hart für mich, aber auch sehr lehrreich", sagt er im Nachhinein, verweist darauf, dass er bei Jordan "keine Ego-Probleme" vorgefunden hat.

Während Heinz-Harald Frentzen bei Jordan die Harmonie ausgesprochen gut bekommt, hat Ralf Schumacher (gestern Vierter) in dessen alten Cockpit bei Williams nicht die Probleme des Vorgängers. Ihn plagen ganz andere Sorgen. Die Fans nehmen ihn als den kleinen Bruder des großen Ferrari-Stars nicht an, zumal sein Auto in dieser Saison nicht zum Sieg fähig ist. "Ich weiß das selbst, aber an Motivation fehlt es mir trotzdem nicht." "Schumi II" - so sein Branchen-Name - hofft auf die Zeit ab der kommenden Saison mit einem BMW-Motor. Sein Chef Frank Williams schwört auf den dritten Deutschen in der Szene: "Er ist noch sehr jung und hat bereits zweieinhalb Jahre Formel-1-Erfahrung. Ich sage ihm eine große Zukunft voraus."

Ralf Schumacher tut alles, um das Image des Ersatzhelden endlich loszuwerden. In Hockenheim gab er gleich einige Proben dafür ab, womit zukünftig bei ihm zu rechnen ist. Journalisten, die in einer Pressekonferenz immer wieder stur nach Bruder Michael fragten, fuhr er nur kurz an. Auch die eher kühle Atmosphäre im britischen Rennstall scheint ihm - im Gegensatz zu Frentzen - nichts auszumachen. Nur, wenn Ralf Schumacher an der Strecke erscheint, regt sich kaum Applaus. Wenn schon nicht "Schumi I", dann wenigstens Frentzen, so sehen es die Anhänger. Ehe Ralf Schumacher einmal seinen Platz in der "Straße der Sieger" findet, wird noch viel Zeit vergehen.

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