Sport : Heißer Frühling

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Stefan Hermanns über den neuen

Hang zur Körperlichkeit

Eigentlich muss man Edgar Steinborn sogar dankbar sein. Ohne ihn würde sich in einigen Jahren wohl niemand mehr an das mäßige Pokalhalbfinale aus der vergangenen Woche erinnern. So aber wird man auch in ferner Zukunft noch von der Aktion kurz vor dem Abpfiff sprechen, als Aachens Verteidiger Mbwando im Strafraum per Faustabwehr klärte, Schiedsrichter Steinborn jedoch keine Absicht erkannt haben wollte. Es war die spektakulärste in einer an spektakulären Fehlentscheidungen nicht armen Zeit.

Ein wenig ist zuletzt der Eindruck entstanden, dass die Schiedsrichter nicht immer auf der Höhe waren. Innerhalb einer Woche ist nicht nur die Besetzung des Pokalfinales fehlentschieden worden, sondern womöglich auch die Meisterschaft – durch ein fälschlich nicht gegebenes Tor für die Bayern und ein fälschlich nicht gegebenes Tor gegen Bremen. Wenn es Frühling wird, hebt das große Gejammer an. Jede Woche jammert ein anderer, was zumindest die Volksweisheit stützt, dass sich die Fehlentscheidungen irgendwie ausglichen. Aber Unrecht ist durch Unrecht nicht wettzumachen. Und ebenso falsch ist der Eindruck, dass Schiedsrichter im Frühling schlechter pfeifen als im Herbst. Der Unterschied ist, dass die Beteiligten sensibler reagieren. An den Hormonen liegt das nicht.

Die allgemeine Nervosität liegt daran, dass die Zeit der Entscheidungen naht. Willi Reimann, Trainer der abstiegsbedrohten Frankfurter, hat am Samstag den vierten Offiziellen angerempelt, weil er seine Mannschaft benachteiligt sah. Dass Spieler Schiedsrichter schubsen, ist bereits vorgekommen; dass ein Trainer meckert auch. Dass er Selbstjustiz übt aber, das ist neu. Selbst im Frühling.

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