Sport : Held am Anstieg

Robert Ide

erklärt, warum Jan Ullrich zufrieden ist – aber wir es nicht sind Es war schon wie bei der Tour de France. Kaum war Jan Ullrich mit seinem Rad über die Ziellinie gerollt, bestürmten ihn Reporter und Fernsehteams. Immer mit der Frage auf den Lippen: Warum sind Sie nicht Erster geworden, Herr Ullrich? Erster sein, allein das zählt für deutsche Sporthelden. Auch bei der ersten Bergetappe der Deutschland-Tour, bei der Ullrich am Mittwoch als Zwölfter auf dem Gipfel bei St. Anton ankam. Der Anstieg galt als erster Härtetest für die Rundfahrt aller Rundfahrten, die am 3. Juli startet. Und als Härtetest für den Mann, der die Rundfahrt aller Rundfahrten gewinnen soll.

So ist es immer bei deutschen Sportidolen; es geht um alles. Am Wochenende schwimmt Franziska van Almsick in Berlin um die deutsche Meisterschaft. Doch für das Publikum zählt nur: Ist sie schnell genug, um bei Olympia in Athen Gold zu holen? Oder unsere Fußballhelden: Als die Nationalmannschaft ein Testspiel gegen Rumänien verlor, hatte Deutschland kaum noch Hoffnung für die Europameisterschaft. Ein 7:0 über Maltas Amateure, und schon ist wieder der Titel möglich. Jeden Anlass aus der Vorbereitung, egal ob nichtig oder wichtig, nutzt die Öffentlichkeit als Indiz für ihre Hoffnungen. Idole müssen immer siegen.

Jan Ullrich soll wieder ein Held werden und die Tour de France gewinnen. Deshalb erwarten alle, dass er schon vorher immer Erster wird. Als Ullrich am Mittwoch von seinem Rad gestiegen war auf dem Gipfel bei St. Anton, sagte er in die Mikrofone: „Ich bin nicht unzufrieden.“ Da wandten sich die Reporter von ihm ab.

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