Sport : Held sucht Trost

Pavel Nedved schießt Juventus Turin ins Finale der Champions League – und weint

Vincenzo Delle Donne

Turin . Pavel Nedved sank auf die Knie und schlug beide Hände vors Gesicht. Neben ihm stand der Schweizer Schiedsrichter Urs Meier und hielt die Ursache für das große Leid des Tschechen in die Abendluft: eine Gelbe Karte. Als das Champions-League- Halbfinale nach fünfminütiger Nachspielzeit abgepfiffen war, weinte Pavel Nedved sogar. Selten ist eine Verwarnung schmerzvoller gewesen.

Er hätte ein Finale der Champions League spielen können. Doch Pavel Nedved handelte sich beim 3:1 (2:0) über Real Madrid seine zweite Verwarnung ein und muss nun zusehen, wenn Juventus Turin und AC Mailand um den Titel in der Champions League spielen. „Ich bin so traurig, dass ich sterben könnte“, sagte der Mittelfeldspieler von Juventus Turin, „mit einer Dummheit habe ich mir meinen großen Lebenstraum zerstört.“ Die Gelbe Karte hatte er für eine unnötiges Foul an der Mittellinie gesehen.

Am Mittwochabend war nichts mehr zu sehen von der Defensive der Turiner. Im Gegenteil. Für den spektakulären Fußball waren nur die Italiener zuständig. Torwart Gianluigi Buffon und Pavel Nedved brachten gleichsam im Alleingang ihr Team ins Finale. Es war aber auch der Sieg des Tschechen Pavel Nedved über seinen Vorgänger Zinedine Zidane.

Als der Franzose vor zwei Jahren von Juventus Turin zu Real Madrid wechselte, bekamen die Italiener die Rekordablösesumme von 75 Millionen Euro. Die Summe investierte der Klub in den jungen Torwart Gianluigi Buffon und den tschechischen Mittelfeldspieler Pavel Nedved. Er sollte die Lücke schließen, die Zidane hinterlassen hatte. Eine Bürde für den Spieler, den die Tifosi „Pferd“ nennen – weil er unentwegt in Bewegung ist. Doch aus dem Lückenfüller ist der Star der Mannschaft geworden. Nedved hatte einen entscheidenden Anteil am Gewinn der zweiten italienischen Meisterschaft hintereinander.

Nun entschied er auch den direkten Vergleich mit Zidane für sich. Schon beim ersten Tor hatte er die Flanke geliefert, Trezeguet hatte nach Del Pieros Vorlage zum 1:0 getroffen. Seit Monaten kämpft der Franzose um eine Verbesserung seiner Bezüge. Seine 2,5 Millionen Euro pro Saison dürften nach diesem Treffer wohl aufgestockt werden.

Eine Auferstehung auf internationalem Parkett feierte auch Alessandro Del Piero. Beim 2:0 tanzte er mit den spanischen Abwehrspielern Salgado und Hierro Ballett. Nedved kürte seine Leistung mit dem Treffer zum 3:0. Wenig später sollte er durch sein Foul zum „untröstlichen Helden" werden, wie die „Gazzetta dello Sport“ feststellte. Warum wechselte ihn Trainer Marcello Lippi nicht vorsorglich aus? „Ich konnte das nicht tun“, sagte Turins Trainer, „Real gehört zu den Mannschaften, die innerhalb von fünf Minuten zwei Tore erzielen können.“ Dramaturgisch war die Partie bis zum Schluss auf hohem Niveau. Nach Zidanes Anschlusstreffer musste Turin noch einmal zittern.

Reals Funktionäre waren nach dem Spiel nicht in der Stimmung, die Schlappe zu kommentieren. Sie trösten sich jetzt wohl damit, zu versuchen, bessere Abwehrspieler zu verpflichten. Zumindest finanziell ist Real in der Champions League ja immer noch Spitze.

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