Sport : Helden für eine Halbzeit

Leverkusen rettet bei Real Madrid nach gutem Start ein 1:1 über die Zeit

Christiane Mitatselis[Madrid]

Am Vorabend hatte Klaus Augenthaler noch einmal das Video vom 15. September in das Abspielgerät gelegt. Mit den Bildern des begeisternden Sieges (3:0) aus dem Hinspiel wollte er seine Mannschaft einstimmen auf die Ehre, erneut gegen Real Madrid antreten zu dürfen. Diesmal sogar im berühmten Stadion Santiago Bernabeu. „Wir haben in der Bundesliga 34 Spiele absolviert, um einen solchen Abend erleben zu dürfen“, sagte Kapitän Jens Nowotny. Am Ende dieses Abends in der Champions League hielt die Begeisterung immer noch ein wenig an, da Leverkusen gegen Real Madrids Heldenauswahl ein 1:1 (1:0) über die Zeit retten konnte. Torhüter Jörg Butt hatte in der 80. Minute sogar einen Foulelfmeter von Figo pariert. Durch das Unentschieden hat Bayer gute Chancen, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren.

Nach 20 Minuten tönten erste Pfiffe durch das mit 70 000 Zuschauern gefüllte Stadion Santiago Bernabeu. Die spanischen Fans waren verärgert, da Leverkusen in der ersten Halbzeit dominierte, und das, obwohl man in Madrid eine Reaktion auf die schändliche Niederlage (0:3) vom Samstag beim großen spanischen Rivalen FC Barcelona erwartet hatte. Reals Klubchef Florentino Perez hatte am Sonntag seinen Weltstars eine viertelstündige, lautstarke Strafpredigt gehalten. Doch diese schien zunächst ebenso wenig gefruchtet zu haben, wie die Schlagzeile der Zeitung „Marca“: „Heute dürft ihr nicht wieder versagen.“

„Die haben mentale Probleme“, sagte Bayers Teammanager Hans-Peter Lehnhoff zur Pause staunend. „Ich war selber als Spieler viermal hier, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Nach 45 Minuten führte Leverkusen mit 1:0 durch ein Tor von Berbatow. Bayers Angreifer Woronin hatte ein Flanke an die Querlatte geköpft, doch anstatt den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, spielte ihn Reals Verteidiger Samuel per Kopf erneut vor das eigene Tor. Berbatow bedankte sich mit dem Treffer zum 1:0 für Leverkusen.

Die Führung war verdient, hatte doch kurz zuvor Krzynowek den Ball mit einem Gewaltschuss nur knapp über das Madrider Tor gejagd. Leverkusens Dreierkette mit Juan, Nowotny und Roque Junior hatte Ronaldo und die anderen Weltstars bis dahin im Griff. Einige Fans passten sich dem niedrigen Niveau Reals an und beleidigten Bayers farbige Spieler, indem sie Affenlaute nachmachten.

Nach der Pause nahm Reals Trainer Garcia Remon den enttäuschenden David Beckham vom Feld nahm. Es kam Publikumsliebling Fernando Morientes. Prompt besaß Ronaldo eine erste Chance. Plötzlich baute Real den Druck auf, den man von Beginn an erwartet hatte.

Salgado schoss eine Hereingabe gefährlich auf Butt, der gerade noch abwehren konnte. In der 70. Minute zauberte sich Figo mit einem Doppelpass durch Bayers Abwehrreihe und legte den Ball zu Raul, der ihn nur noch über die Torlinie schieben musste. Es war der erste Geniestreich, der Reals Schlussoffensive einläutete. Einmal rettete der Pfosten nach Ronaldos abgefälschten Schuss, einmal parierte Butt einen Schuss von Raul. Danach hielt Leverkusens Torhüter nach einem Foul von Juan am enttäuschenden Zidane auch noch Figos Foulelfmeter. Vor dem Ende hatten Balitsch und Babic sogar noch die Chance zum Sieg für Bayer, doch dieser wäre nach der zweiten Halbzeit unverdient gewesen.

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