Sport : Helden wie wir

Zum Abschied von Michael Preetz und Eyjölfur Sverrisson: Erinnerungen an Herthas Aufstiegsspiel im Mai 1997

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Mit Michael Preetz und Eyjölfur Sverrisson beenden am Samstag die beiden wohl profiliertesten Vertreter der Aufstiegsgeneration von Hertha BSC ihre aktive Karriere. Vor exakt sechs Jahren, am 22. Mai 1997, schaffte der Klub durch ein 2:1 in Unterhaching bereits am 31. Spieltag den Sprung in die Bundesliga. Sverrisson spielte damals in der Innenverteidigung, Michael Preetz fehlte, weil er wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt war. Wir berichten, wie die Spieler, die damals im Sportpark Unterhaching auf dem Feld standen, die Begegnung erlebt haben.

Christian Fiedler : „Am Abend vor dem Spiel haben wir im Hotel Huber in der Nähe des Sportparks vor dem Fernseher gesessen und geguckt, wie unsere Konkurrenten spielen. Mainz 05 hat in Jena verloren, Wolfsburg und die Stuttgarter Kickers haben unentschieden gespielt – da war klar, dass wir mit einem Sieg am nächsten Tag aufsteigen würden. Die verletzten und gesperrten Spieler sind spontan aus Berlin nachgereist.“

Fiedler spielt seit 1990 bei Hertha BSC und hat seinen Vertrag noch einmal bis 2005 verlängert. Fiedler ist zweiter Torhüter bei den Berlinern und hat 25 Bundesligaspiele bestritten.

Oliver Schmidt : „Wir sind am Nachmittag in den Sportpark gefahren, sind auf den Platz und haben uns aufgewärmt. Zehn Minuten vor Anpfiff ging’s dann in die Kabine, es war still dort, sehr still. Nach fünf, sechs Minuten sind wir dann rausgegangen.Endlich ging es los. “

Oliver Schmidt bestritt 113 Zweitligaspiele für Hertha, kam nach dem Aufstieg aber nur zweimal zum Einsatz. Der Zwillingsbruder von Andreas Schmidt wechselte 1998 zur SpVgg Greuther Fürth und spielt jetzt bei Jahn Regensburg in der Regionalliga Süd.

Christian Fährmann : „Von der ersten Minute an lief alles: jeder Pass, jeder Lauf. In der ersten Halbzeit hatte ich an der rechten Außenbahn Matthias Lust gegen mich. Ich wollte an ihm vorbei und habe ihm den Ball durch die Beine gespielt. Hey, habe ich gedacht. Heute geht nichts mehr schief.“

Fährmann kam in der Bundesliga 15 Mal für Hertha zum Einsatz. 1998 wechselte er zum Karlsruher SC; über Union, Fortuna Düsseldorf, wieder Union und Tasmania 73 Gropiusstadt landete er bei Tennis Borussia.

Ante Covic : „Eine halbe Stunde war in Unterhaching gespielt, ich stand auf der linken Außenbahn, bekam den Ball, ging in die Mitte, stand am Strafraum, und – bamm! – da schlug der Ball unten rechts ein. 1:0. Ich habe mein Trikot hochgerissen und bin losgerannt wie ein Weltmeister.“

Covic erzielte in Unterhaching in der 29. Minute das 1:0 für Hertha und schoss auch das erste Tor nach dem Aufstieg zum 1:1Endstand gegen Dortmund. Vor drei Jahren ging er zum VfL Bochum, später nach Saarbrücken. Seit seinem Kreuzbandriss ist er ohne Verein.

Eyjölfur Sverrisson: „Nach der frühen Führung haben wir unsere Chance gesehen – und wir haben sie genutzt. Richtig gut waren wir. Wenn ich nur an das 2:0 von Michel Dinzey denke, kurz nach der Halbzeit. Da hat er den Ball voll in den Winkel geschossen, mit dem rechten Fuß. Dabei hat er den normalerweise nur zum Stehen.“

Sverrisson beendet nach dieser Saison seine Karriere und kehrt nach Island zurück. Er war 1992 Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und bestritt insgesamt 251 Bundesligaspiele.

Sixten Veit : „Das Ding war gelaufen, ich bin in der 76. Minute vom Feld. Ich war platt. Die letzte Viertelstunde blieb ich vor der Ersatzbank stehen, alles an mir dampfte. An der Seitenlinie ist die Anspannung größer, man leidet mehr als auf dem Feld, da kann man sich die Anspannung vom Leib rennen.“

Veit beendet im Sommer seine Karriere beim 1. FC Union. Bis 2001 kam er 81 Mal in der Bundesliga zum Einsatz, danach ging er von Hertha zu Besiktas Istanbul.

Andreas Schmidt : „Stimmt, das Ding war eigentlich gelaufen. Eigentlich. Sieben Minuten nach unserem zweiten Tor hat dann aber Schmöller den Anschluss geschafft. Mann, war das ein dummes Gegentor! Wir sind richtig ins Schwimmen gekommen. Wir mussten ackern, grätschen, manche von uns hatten Krämpfe, drei oder vier Leute wollten raus. Aber Jürgen Röber hat das überhaupt nicht interessiert.“

Andreas Schmidt spielt seit 1991 bei Hertha und hat seinen Vertrag bis 2005 verlängert.

Hasan Vural : „Als ich eingewechselt worden bin, stand es 2:0, Dinzey hatte gerade getroffen und … wie bitte? Ich bin eine Viertelstunde vor Schluss gekommen? Nein, wirklich? Ich könnte schwören … ach, egal, es ging jedenfalls drunter und drüber auf dem Platz.“

Vural wurde in der 76. Minute für Veit eingewechselt. Ab kommenden Juni spielt er bei Eintracht Trier. 1998 ging er von Hertha nach Uerdingen. Später spielte er für Cottbus, Osnabrück, Erzurum Spor und Elversberg. Vural bestritt ein A-Länderspiel für die Türkei.

Marc Arnold : „Die Hachinger haben zwar Druck gemacht, aber an eine echte Torchance kann ich mich nicht erinnern. Am Ende haben wir nur noch die Minuten runtergezählt. Fünf, vier, drei … Nach dem Schlusspfiff haben unsere Fans den Platz gestürmt. Irgendjemand hatte schon im Hintergrund gewirbelt und Aufstiegs-T-Shirts fertigen lassen mit der Aufschrift: Erste Liga – wir sind wieder da.“

Arnold schoss in 26 Bundesligaspielen für Hertha zwei Tore. 1998 wechselte er zum Karlsruher SC, zwei Jahre später nach Ahlen. Im Dezember wurde er dort entlassen. Er hält sich derzeit beim VfL Bochum fit.

Pal Dardai : „Abpfiff in Haching. War das ein komisches Spiel. Das kleine Stadion, die wenigen Zuschauer, und weil wir donnerstags spielten, waren nicht viele Fans von uns mitgekommen. Wenn wir wenigstens in Berlin den Aufstieg perfekt gemacht hätten…“

Dardai wurde in der 68. Minute für Uwe Weidemann eingewechselt. Der Ungar spielt immer noch für Hertha BSC.

Uwe Weidemann : „Ich war nur ein halbes Jahr bei Hertha, ausgeliehen von Schalke. Das Spiel in Unterhaching werde ich nicht vergessen, nach dem Abpfiff ist uns ein richtiger Ballast von den Schultern gefallen. Der Druck war weg – und prompt haben wir die letzten drei Spiele verloren.“

Weidemann stieg mit Hertha auf – und blieb zweitklassig. Der frühere DDR-Nationalspieler wechselte zum FC Gütersloh und von dort 1999 zu Fortuna Düsseldorf. Vor zwei Wochen feierte Weidemann seinen Einstand als Interimstrainer des Oberligisten.

Jürgen Röber : „Wir sind dann in die Kabine rein, kurz ins Hotel und dann ging’s mit dem Taxi schnell nach München, in irgendeine Diskothek. Mit Dieter Hoeneß war ich der Älteste in dem Laden. Zwei, drei Bier habe ich an dem Abend getrunken und ein bisschen mitgeschunkelt, aber ich bin kein Tanzbär. Irgendwann habe ich gesagt: Jungs, wer morgen um halb zehn nicht am Flughafen ist, muss sehen, wie er nach Berlin kommt.“

Röber führte Hertha von der Zweiten Liga in die Champions League. Am 6. Februar 2002 wurde er entlassen. Inzwischen trainiert er den VfL Wolfsburg.

Michel Dinzey : „Wir sind noch eine Weile in der Disko geblieben. Einige haben ziemlich lange ausgehalten. Wir sind erst am frühen Morgen am Hotel angekommen, haben unsere Klamotten genommen und sind mit dem Bus gleich zum Flughafen. In Berlin mussten wir ja noch auf den Trainingsplatz – zum Auslaufen. So weit es noch ging.“

Dinzey erzielte gegen Unterhaching in der 48. Minute das 2:0 für Hertha. Nach dem Aufstieg bestritt er 29 Bundesligaspiele, dann wechselte der Kongolese zu 1860 München. Inzwischen nennt er sich Mazingu-Dinzey und spielt nach Stationen in Hannover und Oslo wieder in der Zweiten Liga – für Braunschweig.

Falko Götz : „Oh, das war eine harte Nacht und ein harter Flug. Ich weiß noch, dass wir am Morgen schon wieder Champagner getrunken haben. Als wir dann am Vormittag in Tegel gelandet sind, standen die Fans da, sangen und bespritzen uns mit Sekt. Mit einer Polonaise ging’s dann aus der Halle, rüber zum Taxistand. Da wusste ich: Ja, Falko, jetzt haben wir’s geschafft.“

Götz beendete wenig später seine Karriere. Bei Hertha war er Trainer der Amateurmannschaft, Nachwuchskoordinator und von Februar bis Juni 2002 Trainer der Profis. Seit März ist er Trainer bei 1860 München.

Aufgezeichnet von André Görke und Stefan Hermanns.

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