Sport : Helden wollen Meister werden

Bremen greift mit vielen deutschen WM-Stars die Bayern an

Steffen Hudemann

Wer hat das Sagen im Verein? Im Internetforum des Klubs, in dem sich die Fans austauschen, stolpert man mitunter über ein Akronym. KATS beobachte einen neuen Verteidiger, heißt es dann. Oder: KATS habe gesagt, Klose sei unverkäuflich. KATS – das steht für Klaus Allofs und Thomas Schaaf. Der Sportdirektor und der Trainer harmonieren derart erfolgreich, dass die eigentlich so verschiedenen Charaktere gelegentlich zu einer Person verschmelzen. Spätestens seitdem der Klub Allofs im Frühjahr zur Vertragsverlängerung in den Kaminsaal des Bremer Rathauses bat, gibt es über dessen zentrale Rolle bei Werder keinen Zweifel mehr. Im Kaminsaal werden sonst Staatsverträge unterzeichnet.

Was hat sich verbessert? So stark besetzt war Werder noch nie. Durch die Qualifikation für die Champions League war Geld vorhanden, um kräftig zu investieren. Teuerster Neuer ist der brasilianische Mittelfeldspieler Diego, der für sechs Millionen Euro vom FC Porto kam. Von dort ausgeliehen haben die Bremer zudem den portugiesischen U-21-Nationalstürmer Hugo Almeida. Außerdem einigte sich der Klub in dieser Woche mit Hannover 96 über den Transfer von Nationalverteidiger Per Mertesacker – Werder gab dafür 4,7 Millionen Euro und Frank Fahrenhorst ab. Billiger, nämlich ablösefrei, waren die Außenverteidiger Clemens Fritz (Leverkusen) und Pierre Womé (Inter Mailand), die in der Vorbereitung Patrick Owomoyela und Christian Schulz aus der Stammelf verdrängten. Auch der Konkurrenzkampf im Sturm verspricht, spannend zu bleiben: Miroslav Klose, Ivan Klasnic, Hugo Almeida, Aaron Hunt und der aus Mainz zurückgekehrte Mohamed Zidan garantieren hohe Qualität im Angriffsspiel. Die wichtigste Frage ist jedoch, wie sich der Verlust von Regisseur Johan Micoud auswirkt. Der Franzose lässt seine Karriere bei Girondins Bordeaux ausklingen. Micoud war in den vergangenen Jahren der Kopf der Mannschaft. Diese Rolle wird Diego nicht sofort ausfüllen können. Vor allem Tim Borowski wird mehr Verantwortung übernehmen müssen.

Wie sicher ist der Job des Trainers? 2013 hätte Thomas Schaaf den Rekord seines Lehrers Otto Rehhagel eingestellt und wäre Werder-Trainer mit der längsten Amtszeit. Derzeit spricht nichts dagegen, dass er das schaffen kann. Wenn er will.

Welche Taktik ist zu erwarten? Offensivfußball mit aggressivem Pressing, ähnlich wie in der Nationalelf. Zur offensiven Verteidigung soll die Abseitsfalle der Viererabwehrkette die notwendige Ergänzung bilden. Im Mittelfeld wird Werder in der bewährten Raute agieren. Diego und Borowski sind dort gesetzt. Auf der Position vor der Abwehr können Torsten Frings, Frank Baumann oder – als defensivere Variante – beide spielen. Im Sturm sind Klose und Klasnic erste Wahl, auch wenn Zidan mit starken Leistungen in der Vorbereitung nahe an die Stammelf gerückt ist.

Welche Platzierung ist möglich? Der Ligapokal soll nicht der einzige Titel bleiben. Nach den guten Platzierungen der vergangenen drei Jahre (Erster, Dritter, Zweiter) soll es wieder die Meisterschaft sein. „Ich sehe vom Potenzial keine stärkere Mannschaft“, sagt Torsten Frings.

Wer sind die Stars? Die WM-Helden, siehe unten.

Wie sind die Fans? Stolz auf ihre Hartnäckigkeit. Nach massiven Kampagnen gegen die Trikotfarbe Orange („Werder ist grün-weiß“) ist der ungeliebte Papageien-Dress nur noch Ausweichtrikot. Insgesamt sind die Fans durch Werders mitreißendes Spiel lauter geworden, auch auf den Sitzplätzen. „Den Zuschauern etwas bieten“ – das sieht Schaaf als eine seiner wichtigsten Aufgaben an. Dennoch hemmt die Architektur des Weserstadions immer noch die Stimmung. Auch ohne Laufbahn stehen die Kurven durch die ovale Form zu weit weg vom Spielfeld. Der Klub will im Zuge der geplanten Aufstockung von 42 000 auf 50 000 Plätze die Tribünen hinter die Tore vorziehen.

Wer ist der WM-Held? Frings und Borowski haben bei der WM einen starken Eindruck hinterlassen, aber der WM- Held ist zweifellos Miroslav Klose. Seine außergewöhnlichen Qualitäten waren in der Bundesliga schon im vergangenen Jahr zu bewundern – jetzt kennt sie die ganze Welt. Für den WM-Torschützenkönig, gestern auch zum deutschen Fußballer des Jahres gewählt, könnte es das letzte Jahr in Deutschland sein. Klose zieht es ins Ausland, sein Vertrag läuft 2008 aus. Möglich, dass Werder ihn gegen eine hohe Ablösesumme schon im kommenden Sommer gehen lässt.

Morgen: Bayern München

Die gesamte Serie im Internet: www.tagesspiegel.de/bundesliga

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