Hellmut Krug : Erstkontakt auf der Torauslinie

Hellmut Krug über den Strafstoß für Hoffenheim.

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Hellmut Krug

Beim Spiel 1899 Hoffenheim gegen Hannover 96 wurde der Hoffenheimer Andreas Beck im Strafraum von Hannover, aber außerhalb der Torauslinie, von Konstantin Rausch von Hannover 96 gefoult. Schiedsrichter Wolfgang Stark pfiff trotzdem Elfmeter für Hoffenheim. War das nicht eine Fehlentscheidung, Herr Krug?



Nein, die Entscheidung war korrekt, weil der Erstkontakt, der zum Foul führte, nach Angaben von Schiedrichter Stark noch auf der Torauslinie stattgefunden hatte. Und die Linie gehört zu dem Raum, den sie begrenzt. Das Foul war also auf dem Spielfeld.

Man unterscheidet im Fußball Spiel- und persönliche Strafe. Eine Spielstrafe findet statt, wenn bei einer sanktionswürdigen Situation der Ball im Spiel war und diese Aktion auf dem Spielfeld stattgefunden hat. Dann entscheidet der Schiedsrichter auf Frei- oder auf Strafstoß. Aber hätte das Foul von Rausch an Beck tatsächlich außerhalb des Spielfeldes stattgefunden, dann hätte der Schiedsrichter höchstens eine persönliche Strafe ausgesprochen, entweder die Gelbe oder – bei grobem Foul – die Rote Karte. Nach einer persönlichen Strafe geht das Spiel mit Schiedsrichterball weiter, sofern der Ball im Spiel gewesen war und der Unparteiische wegen des Fouls die Partie unterbrochen hatte. Der Schiedsrichterball wird an der Stelle ausgeführt, an der zuletzt der Ball im Spielfeld gewesen war. Sollte ein Foul außerhalb des Spielfeldes stattfinden, der Ball aber weiter im Spiel bleiben, dann kann der Schiedsrichter eine Vorteilssituation abwarten. Er spricht dann die persönliche Strafe aus, wenn das Spiel unterbrochen ist. Diese Strafe muss er allerdings verhängen, bevor das Spiel fortgesetzt wird. Ein Schiedsrichterball entfällt dann allerdings. Es geht so weiter, wie es der Spielsituation entsprach. Entweder mit Eckball, Freistoß oder Einwurf.

Hellmut Krug leitete 17 Jahre lang Bundesligaspiele und pfiff 30 Länderspiele. Er ist bei der Deutschen Fußball-Liga Experte für das Schiedsrichterwesen.

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